TiffyTiffy bloggt: Emma - 30 Tage hast du Zeit
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Das erste Kapitel: Emma - 30 Tage hast du Zeit
1.Dezember
Irgendwie ist das ein komischer Ort. Es ist strahlend hell, aber meine Augen stehen weit offen. Ich sitze nicht, ich liege nicht – aber ich schwebe auch nicht. Ich berühre keinen Boden – aber es ist auch kein Boden zu sehen. Keine Wände, Türen, Fenster. Der Ort hat noch nicht einmal Farben.
Und das Schlimmste ist dieses seltsame Gefühl. Dieses Gefühl von... nichts. Ich fühle nichts. Keinen Schmerz, keine Freude, keine Trauer. Keinen Hunger, keinen Durst, noch nicht einmal das Bedürfnis, zu schlafen oder zu lachen, zu weinen. Trotzdem ist da ein Gefühl. Es ist komisch. Es ist dieses Gefühl, wenn man weiß, man hat irgendetwas vergessen. Dieses Gefühl, wenn man spürt, irgendetwas kommt auf einen zu. Das Gefühl, wenn man weiß: Gleich. Gleich passiert etwas. Gleich.
Aber nichts kommt. Ich befinde mich seit schon seit langer Zeit in diesem... Zustand. Obwohl... so lange dann auch wieder nicht. Ich spüre keine Zeit. Es ist, als würde ich diesen Ort schon ewig kennen, als wäre ich schon oft hier gewesen. Aber alles ist doch ganz neu für mich. Dann höre ich sie. Oder: Ich höre etwas. Und bald sehe ich es auch. Der helle Schein meiner Umgebung wird noch heller. Ich starre direkt in das helle Licht, das auf einmal von allen Seiten auf mich zukommt. Plötzlich (plötzlich ist ein schlechtes Wort, es ist, als wäre sie immer da gewesen) stehen sie da.
Vier Engel. Ich kann sie nicht beschreiben. Sie sind weder groß noch klein, weder blond noch dunkelhaarig, weder gutaussehend noch hässlich...
Ich sehe sie, kann sie aber nicht direkt anschauen. Ich weiß nicht, ob es Frauen oder Männer sind. Kinder oder Erwachsene. Sie sind da und trotzdem sind sie weit weg.
„Vergeudung. Einfach nur Vergeudung.“
Eine Stimme. Sie klingt weiblich, aber irgendwie auch nicht. Was ist Vergeudung?
„Aber sie ist doch noch ein Kind.“
Eine andere Stimme. Eher männlich. Wer ist ein Kind? Ich? Aber ich bin doch siebzehn. Sie meinen mich nicht.
„Was hat sie denn geleistet? Den alten Herrn überfallen? Im Kaufhaus geklaut? Getrunken, geraucht und Schule geschwänzt?“
Sie meinen mich doch.
„Das stimmt. Sie hat bisher nur Ärger und Probleme verursacht.“
„Aber sie hat ihr Leben doch noch gar nicht gelebt! Ich finde, sie hat eine zweite Chance verdient.“
Wie, zweite Chance? Bin ich tot?
„Nein. In den Himmel wird sie nicht kommen.“
"Aber willst du sie einfach in die Hölle schicken?“
Schweigen. Eine seltsame Ruhe, die trotzdem in den Ohren dröhnt. Dann spricht die Stimme, die mein Leben als Vergeudung bezeichnet hat, direkt zu mir: „Emma?“
Ich kann nicht sprechen. Meine Zunge sitzt fest in meinem Gaumen und löst sich nicht. „Wir geben dir deine zweite Chance. Ende des Jahres musst du uns beweisen können, dass du in den Himmel gehörst. Dreißig Tage. Hörst du? Dreißig Tage.“
Ich öffne die Augen. Ich sehe alles seltsam verschwommen. Schemenhafte Menschen beugen sich über mich. Ist das da ein Krankenwagen? Ich höre Stimmen, wie durch Watte.
„Ich kann ihren Puls spüren.“
„Emma!“
Meine Mutter?
Stille.
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