• Autsch oder Intim-Waxing

    Wer schön sein will muss leiden! In Sachen Waxing stimmt dieses Sprichwort echt  

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Waxing: Einmal ohne alles - Mein erstes Waxing

Mit nacktem Unterkörper liege ich in Froschposition. Auf dem Rücken, die Beine gespreizt und die Fußsohlen aneinander. Die Liege ist hart, ich starre in das gleißende Neonlicht. Meine Gefühle schwanken zwischen Angst und Flucht. Dabei habe ich mich freiwillig dazu entschieden mir von einer fremden Frau meine komplette Schambehaarung ausreißen zu lassen.

Vor zehn Minuten habe ich mich auch noch ganz anders gefühlt. Richtig gut, fast schon beschwingt. „Was, du hattest noch nie einen Hollywood-Cut?“ fragte eine Freundin abschätzig und ihr Blick wanderte an meine Körpermitte als könne sie durch meine Klamotten hindurch den Tatort des Hygiene-GAUs erblicken. Das hat gereicht. Auch ich will Teil dieses elitären Hollywood-Clubs sein und marschiere entschlossenen Schrittes durch die Tür des Salons. Das Angebot: Triangel, Landing Stripe oder alles weg – der Hollywood-Cut.
Jasmin, die Depiladora, führt mich zur Kabine: Ein steriler, aber mit dunklem Holz geschmackvoll gehaltener Quadratmeter. Ich soll mich schon mal ausziehen, während sie das Wachs holt. Etwas ratlos stehe ich da und versuche mich mit Banalem abzulenken: Socken an oder aus? Ich entscheide mich für die weniger ästhetische aber Wohlfühlvariante Socken an und klettere auf die mit Papier abgedeckte Liege. Der Angstschweiß saugt das knisternde Papier an meinem Rücken fest. In meinem Kopf ist nur Platz für eine einzige Frage: Warum? Warum tue ich mir das an? Jegliches Hollywood-Gefühl ist verflogen.

Tut Waxing weh?

Mit runden Bewegungen streicht Jasmin das warme Wachs auf den Ansatz meiner Oberschenkel. Es riecht ein bisschen nach Zucker, eine wenig nach Bienenwachs. Ich atme tief durch, gleich ist es soweit, vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm… Jasmin reißt energisch mit einem Ruck – meine Hoffnungen sind vom Schmerz radikal ausgelöscht. Es brennt. Schnell drückt Jasmin mit der Hand auf die geschundene Stelle – das verhindert Hämatome – ah ja, gut zu wissen!

Jasmin arbeitet sich präzise von außen nach innen vor. Das Wachs müsste jetzt irgendwo an meinen Schamlippen haften, so genau kann ich es nicht einordnen. Mir fällt ein Fall in den USA ein, wo einem Mädchen beim Brazilian-Waxing ein Stück von der Klitoris abgerissen wurde. Ich bin kurz davor, verklebt mit Wachs und nur mit Socken bekleidet, von der Liege zu springen und aus dem Laden zu rennen. Oder Jasmin anzuflehen, mich doch einfach gehen zu lassen.
„Wer zuckt, fliegt raus“, erzählt Jasmin. „Wir versuchen zu trösten, aber wer trotzdem die ganze Zeit weint oder zusammen zuckt, muss gehen. Denn so kann man nicht arbeiten.“ Und genug Arbeit hat Jasmin: Das Wartezimmer ist voll, das Publikum erstaunlich gemischt. Wie die junge Frau, komplett in Schwarz gekleidet, mit auffälligem Schmuck und perfekt manikürten Fingernägeln. Sie blättert gelangweilt in der „Vogue“, daneben eine stämmige Bayerin in praktischer Windjacke. Sie versucht ihr aufgedrehtes Kind zu beruhigen, doch da helfen auch die lateinamerikanischen Chillout-Beats nicht. Und beide Frauen sind aus dem gleichen intimen Grund hier wie ich.

Waxing

Waxing bei Männern

Enthaarung im Intimbereich ist der Dauerbrenner erzählt Jasmin, während ich mit zusammen gekniffenen Augen versuche an eine sonnige Wiese zu denken. Und Blumen. „Auch die Männer kommen aus diesem Grund!“ Wie bitte? Einen kurzen Moment vergesse ich meinen Schmerz und frage erstaunt, ob es denn nicht komisch sei, das Geschlecht eines fremden Mannes mit Wachs zu bestreichen?

Auch Männer lassen sich enthaaren...

Sie zuckt mit den Achseln. Allerdings: Männer würden häufig eine Erektion bekommen. Blankes Entsetzen bei mir, nicht nur, weil Jasmin gerade die Haare meiner linken Schamlippe in den Mülleimer befördert. „Das ist die Wärme und die ungewohnte Situation und auch nicht schlimm. Wenn das jedoch mehrmals während einer Behandlung passiert, muss die Sitzung abgebrochen werden. Eine Kollegin wusste sich zu helfen, sie ließ dann einfach warmes Wachs auf die Eichel tropfen, dann konnte sie ganz schnell weiterarbeiten.“
Ratsch! Jasmin bearbeitet die gleiche Stelle zum gefühlten 100. Mal. Ich bin mir sicher: Da können jetzt gar keine Haare mehr sein! Und wenn, dann ist es mir egal! Aber Jasmin streicht immer wieder mit einem schmatzenden Geräusch warmes Wachs auf meinen Intimbereich. Lässt es kurz antrocknen und zieht es dann ab. Die angetrockneten Wachsfetzen landen im Mülleimer. Ich frage mich, wie viele Tüten mit braunen Schamhaaren und schwarzen Beinstoppeln täglich zusammen kommen und schließe die Augen.
 „So, gleich geschafft!“ Warum erst gleich und nicht jetzt? „Erst noch die Pofalte!“ Mein Impuls schreit Nein, ich will nur von dieser Liege runter. Um die letzte Pein über mich ergehen zu lassen, muss ich mich auf den Bauch drehen und mit meinen Händen die Pobacken auseinander ziehen. Jasmin hat jetzt einen Einblick, den sonst noch niemand hatte – noch dazu unter Neonlicht.
Feuerrot ist das Ergebnis, als ich nach der 30-minütigen Prozedur auf der Toilette bin. Alles ist noch dran und unglaublich nackt! An der Kasse hab ich das Gefühl, verbündete Blicke von anderen Kundinnen, die auf ihren Hollywood-Cut warten, zu bekommen. Doch ein gutes Gefühl endlich Teil des Clubs zu sein!

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(Fotos: Thinkstock)

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