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Alt 20.11.2011, 16:49
(Moderator)
Registriert seit: 06.11.2009
Beiträge: 7.302
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Zitat:
Zitat von Cojack
Kinder müssen nicht immer woilen, sie werden auch vermutlich die Notwendigkeit anfangs nicht begreifen. Denkst du ich war sonderlich begeistert mit 15 für 2 Wochen im Altenheim auszuhelfen oder im Baustellendreck rumzukriechen. Es gab zu Hause einfach gewisse Punkte die nicht diskutiert, sondern diktiert wurden und dieses neue "Wir besprechen alles einstimmig"-Konzept halte ich in einigen Fällen fur großen Unfug.

Wenn ich schon höre, dass mir eine Mutter, die ich darauf hingewiesen habe, dass ihr Sohn eine weitere Nachhilfestunde pro Woche braucht, antwortet mit "Ja Herr *****, das weiß ich ja auch und ich hab ihn auch schon gefragt, aber er hat Nein gesagt. Was soll ich denn sonst tun, ich kann ihn ja nicht zwingen."

Soetwas stand bei uns gar nicht zur Diskussion. Meine Mutter hat viel Zeit investiert um uns eine gute Ausbildung und berufliche Perspektiven zu ermöglichen, wofür ich ihr durchaus neben einigem anderen Mist dankbar bin. Teil dieses Erfolgs war aber eine relativ einfache Befehlskette und Hierarchie. Irgendwann habe ich auch begriffen, dass meine Kumpels zwar damals in den Ferien nur im Freibad waren und ich gearbeitet habe, aber dafür liege ich gut im Zeitplan, um mit 25 Dr. zu sein. ;-)
Da stimme ich dir ja zu, deswegen sagte ich ja, wenn ein Praktikum von der Schule vorgegeben wird, haben die Kinder keine andere Wahl.
Zuhause ist die Erziehung halt bei jedem Kind völlig anders. Es gibt natürlich so Eltern wie deine, die es für notwendig halten, dass ihr Kind Praktika macht, es gibt aber ja auch noch andere Eltern, denen das völlig wurscht ist oder die sich nicht durchsetzen können.
Dadurch entsteht eben diese Chancenungleichheit. Schule in Deutschland legt zu viel Verantwortung auf die Elternhäuser, was in vielen Fällen auch ganz gut klappt, in vielen anderen aber eben nicht. Hier müsste die Schule dies eigentlich wenigstens etwas auffangen. Und wenn man von mir aus dann mehr Ganztagsschulen etc. einrichtet, in denen die Kinder untergebracht werden können, deren Eltern halt nicht so viel Zeit und Lust haben, sich um die Zukunft der Kinder zu kümmern.
Eigentlich müsste da mehr Elternarbeit erfolgen, aber man kann ja staatlich schlecht bestimmen, wer geeignet ist, Kinder zu bekommen und wer nicht und man kann auch schlecht "Elternkurse" oder was weiß ich was einführen, die natürlich eine Menge Zeit und Geld kosten würden, wenn viele Leute einfach arbeiten müssen und gar keine Zeit für sowas aufbringen können. Man kann auch schlecht vorschreiben, wie ein Kind genau zu erziehen ist, es führen ja auch viele Wege zum Ziel und man muss sich ja auch immer individuell dem Kind anpassen.

Ich habe auch so einen Nachhilfeschüler, der einfach keine Lust hat, mehr als das Notwendige zu tun. Anfangs war es so, dass er nach den Hausaufgaben und eventuellem Lernen heim durfte, machmal dauerte das halt nur 30-45 Minuten, manchmal 1,5 Stunden. Dann wurde aber eingeführt, dass er genau eine Stunde bleiben soll, egal ob er dann noch was zu tun hat oder nicht. Hat er mehr Hausaufgaben, soll er sie zuhause machen, hat er weniger, soll er irgendwas lernen, was auch vielleicht nicht grad akut ansteht, bspw. Englischvokabeln. Er weigert sich aber rigoros, Vokabeln zu lernen und es ist kein Rankommen an ihn. Ich kann dann auch nur auf der Vernunftschiene versuchen, auf ihn einzuwirken - ich hab ja keinerlei Druckmittel -, was allerdings überhaupt nichts bringt und auch nur Zeit verplempert. Seine Sozialpädagogin ist auch völlig ratlos und meinte dann irgendwann, dass wir bzw. sein Vater wohl einfach akzeptieren müssen, dass er 14 Jahre alt und pubertär ist und einfach nicht will. Es ist ja nicht so, dass er nichts tun würde und schlechte Noten hat, ganz im Gegenteil. Irgendwann ist halt Schluss, wenn einer sich verweigert und man kann einem Kind ruhig mal die Möglichkeit geben, seinen Willen durchzusetzen, sofern es sich das erlauben kann (Englisch ist zwar eins seiner schlechteren Fächer, aber da steht er auf 2-3).

Es kommt natürlich drauf an, wie intensiv die Mutter deines Nachhilfeschülers ihn "gefragt" hat. Wohl so ziemlich jedes Kind würde erstmal "nein" zu zusätzlichen Stunden sagen. Wenn sie das direkt so hingenommen hat, dann ist sie selbst Schuld und das ist natürlich auch nicht ideal. Man sollte ein Kind halt weder inhaltsleer zwingen noch alles direkt hinnehmen, ein Kind sollte schon einen Sinn dahinter erkennen, auch wenn es dann trotzdem keine Lust drauf hat, aber zumindest sollte man klarmachen, warum weitere Nachhilfe sinnvoll ist und dann muss es sich eben damit abfinden, die meisten fügen sich ihrem Schicksal dann ja schon auch, wenn sie begriffen haben, dass es sie weiterbringt.
In manchen Fällen muss man natürlich Leute auch mal zu ihrem Glück zwingen.
Deine Mutter wird vermutlich da einen ganz guten Mittelweg gefunden haben zwischen totaler Diktatur und absoluter Hippie-Erziehungs-Freiheit, von solchen "Mittelweg-Lösungen" halte ich sowieso meistens sehr viel, weil Extreme nie gut sind.
 
Alt 20.11.2011, 16:59
Mädchen-Star
Registriert seit: 13.02.2010
Beiträge: 2.005
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Zitat:
Zitat von tequila_sunrise
Seine Sozialpädagogin ist auch völlig ratlos und meinte dann irgendwann, dass wir bzw. sein Vater wohl einfach akzeptieren müssen, dass er 14 Jahre alt und pubertär ist und einfach nicht will. Es ist ja nicht so, dass er nichts tun würde und schlechte Noten hat, ganz im Gegenteil. Irgendwann ist halt Schluss, wenn einer sich verweigert und man kann einem Kind ruhig mal die Möglichkeit geben, seinen Willen durchzusetzen, sofern es sich das erlauben kann (Englisch ist zwar eins seiner schlechteren Fächer, aber da steht er auf 2-3).
Darf man fragen, weshalb dieser Junge bei solchen Noten überhaupt Nachhilfe benötigt und sich sogar eine Sozialpädagogin um ihn kümmert?
 
Alt 20.11.2011, 17:18
(Moderator)
Registriert seit: 06.11.2009
Beiträge: 7.302
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Zitat:
Zitat von john_locke
Darf man fragen, weshalb dieser Junge bei solchen Noten überhaupt Nachhilfe benötigt und sich sogar eine Sozialpädagogin um ihn kümmert?
Soweit ich weiß, funktioniert das mit dem Lernen daheim einfach nicht besonders gut. Mutter ist keine vorhanden (weiß allerdings nicht, was mit der ist) und der Vater versucht ihn ziemlich zu drillen, er ist aber sehr stur und eigensinnig und rastet recht leicht total aus, wenn sein Vater ihn andauernd diktiert.
Ansonsten kenne ich leider die Hintergründe nicht so gut, ich weiß auch nicht, ob seine Noten immer schon so gut waren, kenne auch nur die aktuelleren Zeugnisse. Er ist halt auf der Hauptschule im M-Zweig, der zur mittleren Reife führt und muss daher etwas mehr tun als die Schüler, die nicht die M-Kurse besuchen.
Auf der anderen Seite sagt sein Vater zu ihm ganz deutlich, dass er das Abitur eh nie packen würde und er halt eine gute mittlere Reife machen soll, um dann eine vernünftige Berufsausbildung zu bekommen.
Der Vater ist schon sehr engagiert, schießt aber manchmal übers Ziel hinaus. Leider erfahr ich da von den Hintergründen nicht besonders viel (im Gegensatz zu meiner anderen Arbeit direkt an der Schule). Ich weiß also nicht, welche Probleme es da mit der Mutter gegeben haben könnte und warum da jetzt genau vor einigen Jahren sozialpädagogische Betreuung eingeleitet wurde.
 
Alt 20.11.2011, 17:27
Mädchen-Star
Registriert seit: 13.02.2010
Beiträge: 2.005
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Zitat:
Zitat von tequila_sunrise
Soweit ich weiß, funktioniert das mit dem Lernen daheim einfach nicht besonders gut. Mutter ist keine vorhanden (weiß allerdings nicht, was mit der ist) und der Vater versucht ihn ziemlich zu drillen, er ist aber sehr stur und eigensinnig und rastet recht leicht total aus, wenn sein Vater ihn andauernd diktiert.
Ansonsten kenne ich leider die Hintergründe nicht so gut, ich weiß auch nicht, ob seine Noten immer schon so gut waren, kenne auch nur die aktuelleren Zeugnisse. Er ist halt auf der Hauptschule im M-Zweig, der zur mittleren Reife führt und muss daher etwas mehr tun als die Schüler, die nicht die M-Kurse besuchen.
Auf der anderen Seite sagt sein Vater zu ihm ganz deutlich, dass er das Abitur eh nie packen würde und er halt eine gute mittlere Reife machen soll, um dann eine vernünftige Berufsausbildung zu bekommen.
Der Vater ist schon sehr engagiert, schießt aber manchmal übers Ziel hinaus. Leider erfahr ich da von den Hintergründen nicht besonders viel (im Gegensatz zu meiner anderen Arbeit direkt an der Schule). Ich weiß also nicht, welche Probleme es da mit der Mutter gegeben haben könnte und warum da jetzt genau vor einigen Jahren sozialpädagogische Betreuung eingeleitet wurde.
Hm, spontan wundert mich sein Verhalten nach deiner Beschreibung nicht. Ich halte Disziplin zwar für außerordentlich wichtig, in diesem Fall scheint das aber gehörig nach hinten loszugehen. Ich würde mich als Sohn auch fragen, weshalb mich mein Vater bei diesen Noten noch zur Nachhilfe zitiert und mir nicht einfach ein wenig mehr Freiraum zusagt. Da wäre ich auch wesentlich entspannter beim Lernen zu Hause. Aber wer weiß, ob es tatsächlich so einfach ist.
 
Alt 20.11.2011, 17:39
(Moderator)
Registriert seit: 06.11.2009
Beiträge: 7.302
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Zitat:
Zitat von john_locke
Hm, spontan wundert mich sein Verhalten nach deiner Beschreibung nicht. Ich halte Disziplin zwar für außerordentlich wichtig, in diesem Fall scheint das aber gehörig nach hinten loszugehen. Ich würde mich als Sohn auch fragen, weshalb mich mein Vater bei diesen Noten noch zur Nachhilfe zitiert und mir nicht einfach ein wenig mehr Freiraum zusagt. Da wäre ich auch wesentlich entspannter beim Lernen zu Hause. Aber wer weiß, ob es tatsächlich so einfach ist.
Ja, der Vater ist halt schon enorm streng. Der Junge kommt gern zur Nachhilfe bzw. ist es ja mehr eine Hausaufgabenbetreuung, er macht ja einfach seine Sachen für die Schule und hat mit mir ein entspannteres Umfeld. Er geht auch lieber zu mir als dass er die Aufgaben daheim macht. Wenn er seinen Vater was fragt, kommt als Standard-Antwort: "Hilfe zur Selbsthilfe!" - was im Prinzip schon richtig ist, dass es sinnvoll ist, etwas selbst zu recherchieren, aber er hasst es eben, dass sein Vater ihm nie konkret hilft, sondern nur mit schlauen Sprüchen kommt.
Und er scheint ein straffes Lernprogramm zu haben. Neben der Schule, die oft bis 3 oder 4 nachmittags geht, geht er dann auch sonst noch ein- oder zweimal die Woche zu der sozialpädagogischen Betreuung, die kochen dort oft mit anderen Jugendlichen zusammen oder machen andere Sachen, wie ein Jugendhaus oder so halt. Und dann hat er daheim halt noch festgelegte Lernzeiten, in denen er auch vorgegebene Sachen machen muss (bspw. sonntags um XY Uhr für eine Stunde Englischvokabeln). Er hat auch vorgegebene Zeiten, in denen er an die Spielekonsole darf. Er ist in seiner Entwicklung auch ein klein wenig hinterher in meinen Augen, mit 14 findet er Mädchen noch eklig und spielt lieber mit dem Nintendo DS, aber so langsam wird er eben rebellischer und lehnt sich gegen diese strengen Vorgaben auf. An sich ist es schon richtig, einem Kind solche Vorgaben zu geben, aber anscheinend wird das zu viel oder es wurde irgendwo davor schon irgendwas verbockt, weshalb er sich da jetzt auflehnt.
Ich weiß halt auch nicht, was da eben mit der Mutter war/ist und wieso das alles so gekommen ist, insofern kann ich nur von der aktuellen Lage ausgehen und die Ursachen nicht beurteilen. Kann sein, dass da früher Sachen vorgefallen sind, die das jetzt eben alles zur Folge haben.
 
Alt 22.11.2011, 09:39
Mädchen-Star
Registriert seit: 21.11.2011
Beiträge: 2.798
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Schule und Erziehung

Ich möchte kurz darauf eingehen, was Schule und Erziehung angeht.
Mein Sohn wurde dieses Jahr eingeschult, deswegen interessiert mich das Thema natürlich sehr.
Meine eigene Einschulung liegt satte 20 Jahre zurück und in diesen zwei Jahrzehnten hat sich sehr viel verändert. Ich kann das ganz gut vergleichen, da ich meinen Sohn auf der selben Schule angemeldet habe, die auch ich besuchte.
Die Schule legt mittlerweile sehr viel Wert auf Kommunikation mit den Eltern. Das halte ich für sehr wichtig, da die Kinder schließlich einen großen Teil des Tages in der Schule verbringen. Somit übernimmt die Schule zwangsläufig auch einen Teil der Erziehung.
Lehrer haben mehr Verantwortung, als nur die blanken Leistungen der Schüler. Erst heute Morgen hatte ich ein kurzes Gespräch mit der Klassenlehrerin. Sie meinte, dass mein Sohn sehr intelligent ist und auch mehr weiß als die anderen Kinder. Ihm fehle es aber an Selbstvertrauen, er kommt nicht richtig aus sich heraus und wird dann Unsicher. Nun haben wir ein Gespräch vereinbart in dem wir gemeinsam überlegen, was wir zur Stärkung seinen Selbstvertrauens machen können. Ich bin der Lehrerin sehr dankbar, dass sie mich sofort auf ihre Beobachtungen angesprochen hat. Eine schlechte Lehrerin hätte das vermutlich ignoriert und das abgetan als "der will einfach nicht".
 
 
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