• Berufe: Gamedesignerin

    Du liebst Computerspiele willst später gern selbst Games entwickeln? Check, ob der Beruf zu dir passt!

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Berufe: Game Designerin

Du spielst gern Computer -oder Konsolenspiele und es reizt dich, selbst Games zu entwickeln? Dann ist vielleicht der Beruf der Game Designerin genau das Richtige für dich. Wir haben mit einer Game Designerin gesprochen und sie über ihren Job ausgefragt. Check das Interview!

Berufe: Gamedesignerin

Kathleen Kunze (33) arbeitet bei InnoGames als Game Designerin. Das Hamburger Unternehmen entwickelt seit 2003 Onlinespiele. Zurzeit ist sie für die inhaltliche Gestaltung von „Lagoonia“ verantwortlich. Das Browsergame spielt in der Südsee – als Gestrandete auf einer einsamen Insel erschaffen die Spieler ihr eigenes Tropenparadies und bauen Beziehungen zwischen den Inselbewohnern und zu anderen Spielern auf.

Mädchen.de: Was macht eigentlich eine Game Designerin genau?

Kathleen Kunze: Als Game Designerin bist du der kreative Kopf eines Spiels. Während deiner Arbeit denkst du dir Regelwerke für neue Spiele aus und entwickelst diese weiter. Hattest du auch schon Ideen für ganz neue Spiele oder überlegst, wie man schon bestehende Spiele noch spannender machen kann? Dann passt der Job vielleicht zu dir.

Ein weiterer wichtiger Teil deiner Arbeit ist es, Spielfunktionen mit Zahlen zu füllen. Das bedeutet, du überlegst zum Beispiel, wie viel Holz ein Spieler braucht, um ein bestimmtes Gebäude in deiner Stadt fertig zu bauen oder wie viel Erfahrungspunkte man im Spiel für welche Tätigkeiten bekommt. Außerdem schreibst du Texte, sowohl für die Inhalte des Spiels als auch Arbeitsanweisungen für dessen Umsetzung. Dabei arbeitest du eng mit deinem Team zusammen. Dieses besteht unter anderem aus Spieleentwicklern, Grafikern und einem Producer.

Mädchen.de: Wie kann man sich einen typischen Arbeitstag vorstellen?

Kathleen Kunze: Einen „typischen“ Arbeitstag gibt es in diesem Beruf nicht, denn jeder Tag kann ganz anders als der vorherige sein. Wie genau dein Tag verläuft, kommt auch auf den Stand des Projektes an: Am Anfang sitzt man zum Beispiel noch mit dem Notizblock und vielen bunten Stiften auf dem Sofa. Wenn das Projekt dann gestartet ist, arbeitet man am Computer mit Exceltabellen für die Zahlen und Word für die Texte und macht Meetings wegen der wichtigen Kommunikation mit dem Team - den Leuten, die deine Ideen umsetzen.

Mädchen.de: Muss man der totale Spielfreak sein, um in dem Beruf glücklich und erfolgreich zu sein?

Kathleen Kunze: Eine gewisse Affinität zu Spielen solltest du schon mitbringen, aber das bedeutet nicht, jeden Tag nur mit Zocken zu verbringen. Um glücklich und erfolgreich zu sein, ist es wie in jedem anderen Beruf auch wichtig, sich für die Sache, mit der du dich immerhin fast täglich beschäftigen wirst, zu interessieren.

Kathleen Kunze

Wie kann ich Game Designerin werden?

Kathleen Kunze: Ganz generell: Viele Wege führen nach Rom, das gilt auch bei der Berufswahl. Mittlerweile ist ein spezielles Studium oder Aufbaustudium zum Game Designer möglich. Beispiele sind die Games Master Class des Fraunhofer-Instituts in Erfurt, der Masterstudiengang Game Design an der HAW Hamburg oder an der Uni Paderborn.

Es ist aber sehr zu empfehlen, nicht nur Game Design zu machen, sondern sich eine solide handwerkliche Grundlage aus dem Bereich Programmierung oder Grafik anzueignen. Oft werden Game Designer nämlich nicht direkt von der Schule oder Uni in eine verantwortungsvolle Position gesteckt – das Risiko eines missratenen Projekts und damit einhergehender finanzieller Verlust ist vielen Firmen zu hoch. Da ist es von Vorteil, wenn man auf einem anderen Gebiet beginnt, sich Vertrauen erarbeitet und dann umsteigt. Ich habe zum Beispiel Medieninformatik an der Hochschule Furtwangen studiert und danach erst einmal als Grafikerin gearbeitet, bis mir mein erster Job als Game Designerin angeboten wurde.

Mädchen.de: Was muss ich mitbringen an Voraussetzungen? Muss ich in etwas besonders gut sein?

Kathleen Kunze: Du solltest ein grundsätzliches Verständnis davon haben, wie (Computer-)Spiele funktionieren. Wenn du dich bei einem Entwicklerstudio bewirbst, egal ob du erst einmal ein Praktikum machen möchtest oder schon mit dem Studium fertig bist und einen festen Job suchst, solltest du dich auf jeden Fall mit dem Portfolio der Firma auseinandersetzen – schau nach, was das Studio bereits für Spiele gemacht hat oder worauf es spezialisiert ist. Es gibt zum Beispiel große Unterschiede zwischen Browser- und so genannten Retailspielen, also Produkte, die man im Laden kaufen kann. Auch PC- und Konsolenspiele unterscheiden sich, ebenso wie die verschiedenen Genres zu beachten sind.

Es ist außerdem wichtig, sicher in Wort und Schrift zu sein und Mathe zu mögen. Dies hilft dir sehr bei deiner späteren Arbeit. Auch gute Englischkenntnisse sind von Vorteil, da die Branche sehr international ist.

Mädchen.de: Für wen ist dieser Beruf nichts?
Kathleen Kunze: Wenn du dich überhaupt nicht für Spiele interessierst oder mit Mathe so gar nichts anfangen kannst, solltest du einen anderen Beruf wählen. Weiterhin bedenken: man kann in den seltensten Fällen die Spiele umsetzen, die man selbst gern spielen würde. Stattdessen arbeitet man an Auftragsarbeiten, hat Vorgaben und Richtlinien und auch eine Zeitbegrenzung.

Mädchen.de: Was macht eine gute Game Designerin aus?

Kathleen Kunze: Herzblut für Games ist wichtig, aber Professionalität und Handwerkszeug beherrschen ist wichtiger. Man muss in der Lage sein Spiele zu analysieren und auf Basis von Wissen zu entscheiden - nicht nur aus dem Bauch heraus. Kreativität auf Knopfdruck: wenn eine Idee nicht umsetzbar ist, dann muss binnen kurzer Zeit eine machbare Alternative her und zwar ohne Heulen und Knurren, weil einem die Ursprungsidee ja so gut gefallen hat.

Browsergame

Was verdient man als Game Designerin?

Das kommt stark auf die Firma, die Spiele und die Auftragslage an. Generell hat man ein gutes Auskommen.

Mädchen.de: Welche Aufstiegschancen und Karriere-Chancen habe ich als Game Designerin?

Kathleen Kunze: Die Hierarchie ist relativ klein und die Aufstiegschancen dementsprechend groß. Sie reicht von der Game Design-Praktikantin über die Junior Game Designerin, die vorgegebene Aufgaben ausführt, bis zur Senior Game Designerin, die im besten Fall ihr eigenes Spiel nach ihren ureigenen Vorstellungen macht. Creative Director oder Head of Game Design ist ein weiterer Schritt, bei dem man als Supervisor verschiedene Game Designer aus verschiedenen Teams unter sich hat und diese beratend lenkt. Viele Wege also, die du einschlagen kannst!

Mädchen.de: Was ist das Schönste an dem Beruf?
Kathleen Kunze: Es ist immer wieder schön, Dinge zu erschaffen, an denen andere Spaß haben. Als Game Designerin ist es dein Job, andere mit deinem kreativen Werk zu unterhalten. Eine tolle Erfahrung ist es, wenn man sein erstes eigenes Spiel fertig gestellt hat. Darauf kann man wirklich stolz sein. Sehr spannend ist für mich auch die Internationalität der ganzen IT-Branche. Bei InnoGames und auf Messen habe ich Kontakt zu Leuten aus der ganzen Welt. Da die moderne Branche im Moment sehr stark wächst, habe ich außerdem einen sicheren Job.

Mädchen.de: Welche Schattenseiten gibt es?

Kathleen Kunze: Als Game Designerin kann es genauso viel Stress oder Druck wie in anderen Berufen geben. Gerade wenn es darum geht, einen so genannten „Milestone“ einzuhalten, also einen wichtigen Punkt im Projektplan zu erreichen oder sogar eine neue Version rauszubringen. Manchmal ist man enttäuscht, wenn Konzepte oder Ideen, die man mag, nicht umgesetzt werden. Es kann auch vorkommen, dass das Spiel, an dem man für Monate gearbeitet hat, kein Erfolg ist und eingestellt werden muss. Dadurch lernt man aber viel dazu.

Mädchen.de: Welchen Tipp haben Sie für Mädchen, die Game Designerin werden wollen?

Kathleen Kunze: Mach eine Fachausbildung oder ein Studium, das gibt dir ein sicheres Standbein. Schau dir Spiele aus unterschiedlichen Genres an, zocke zum Beispiel auch mal ein Autorennspiel, um das Prinzip zu verstehen und auf neue Ideen zu kommen. Du kannst viel lernen, wenn du schon bestehende Spiele analysierst und dir eigenständig überlegst, was man besser machen könnte. Sammle gute Referenzen, indem du während des Studiums (oder schon vorher in der Schulzeit) Praktika machst oder Hobbyprojekte startest. Es ist immer gut, etwas vorweisen zu können, egal ob es ein schon fertiges Spiel oder erst eine Idee ist.

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