• Cybermobbing bald strafbar?

    Wird es bald ein Gesetz gegen Cybermobbing geben? Dazu trafen sich jetzt Politiker, Eltern und Lehrer

weiterlesen

Internetmobbing - was kann die Politik dagegen tun?

Gestern fand zum ersten Mal ein internationaler Cybermobbing-Kongress statt. In Berlin setzten sich Politiker, Eltern und Polizei mit dem Thema Mobbing im Internet auseinander und berieten darüber, wie man das Problem eingrenzen kann. Laut einer Statistik des Bündnisses gegen Cybermobbing waren 20% von Jugendlichen schon einmal davon betroffen. In einigen extremen Fällen begingen die Opfer sogar Suizid. Jetzt will die Politik gegensteuern.

Mädchen am Laptop (Foto: Thinkstock)

Von Zeit zu Zeit ist Cybermobbing ein großes Thema in den Medien, denn manchmal hat die Schikane im Internet ein tragisches Ende. Einer der bekannteren Fälle ist der der Kanadierin Amanda Todd, die jahrelang gemobbt wurde. In einer Videonachricht erzählte sie der Welt ihre Geschichte. Es ist eine Aneinanderreihung von Mobbing, Erpressung, Schule wechseln und auch handgreiflichen Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass das Mädchen nicht nur öffentlich um Hilfe rufen ließ, sondern sie auch in den Suizid trieb. Amanda wurde nur 15 Jahre alt.

Nicht jeder Fall endet im Selbstmord, doch schon einige böse Worte können das Selbstwertgefühl von Menschen jeden Alters, aber besonders von Teenagern ankratzen und dauerhaft Schaden anrichten. Das Problem ist, dass sich viele Menschen online anonym fühlen und dementsprechend automatisch die Hemmschwelle sinkt. Es fällt leichter, jemanden anonym zu beschimpfen, als es dem anderen ins Gesicht zu sagen.

Ein weiter Nachteil ist, dass das Internet so präsent in unserem Leben ist, dass Opfer quasi keine Möglichkeiten haben, ihm zu entkommen. Wenn man früher in der Schule gemobbt wurde, so hatte man wenigstens das sichere Zuhause. Das geht heute nicht mehr, da das Mobbing sich permanent im Internet fortsetzt.

Uwe Leest, Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing, fordert ein Gesetz, das Mobbing-Attacken unter Strafe stellt. Im Interview mit d-radio erklärte er: „Es gibt genügend gesetzliche Regelungen in Anführungsstrichen, Paragraphen, die man nutzen könnte. Im Moment ist es nur so, dass diese rechtlich sozusagen nicht genutzt werden, weil man zu oft von Kavaliersdelikten spricht. Das Thema wird in der Gesellschaft noch nicht ernst genug genommen, und gerade deshalb fordern wir ein Cybermobbing-Gesetz.“

Doch was kann die Politik und die Eltern tun? Die meisten Opfer schämen sich und suchen die Schuld bei sich selbst und reden mit niemandem darüber. Aufklärung ist ein wichtiger Ansatz, aber es muss den Tätern auch vermittelt werden, dass Anonymität keine Rechtfertigung für gemeines Cybermobbing ist.

Bist du selbst betroffen, oder kennst jemanden der Probleme mit Mobbing hat? Hier findest du Info und Hilfe beiMobbing

mehr zum Thema