• Nenn mich nie wieder Zicke! Ar*** ist okay

    Ein Plädoyer für mehr Denken beim Schimpfen. Mit Ironie und Übertreibung ist zu rechnen.

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Nenn mich nie wieder Zicke! Ar*** ist okay

Karo lässt jetzt die Zicke raus - ein Plädoyer für mehr Denken beim Schimpfen. Mit Ironie und Übertreibung ist zu rechnen. 

Zicke als Schimpfwort für Mädchen

"Du bist aber heute wieder mal ‘ne echte Zicke!“ Diesen großartigen Satz habe ich zuletzt gestern gehört. Und zwar als ich mich ein bisschen energischer für einen wesentlich kürzeren Weg zum Kino eingesetzt habe. Und mich nicht auf die tausend Umwege eingelassen habe, die mein Kumpel gehen wollte. Der Fakt: Ich hatte eindeutig die bessere Lösung für das „Wie kommen wir von A nach B-Problem“ und ich habe das mit Argumenten verteidigt. Deswegen bin ich eine Zicke. Klassisch.

Launisch, schwierig, zickig? Muss ein Mädchen sein

Aber warum eigentlich? Warum sind wir Mädels sofort in der Zicken-Schiene? Höchste Zeit, dem Ganzen auf den Grund zu gehen! Natürlich frage ich als erstes bei Google nach, vielleicht gibt’s ja eine Antwort, die den aha-Effekt bringt? Fündig werde ich, wenn auch nicht wirklich schlauer: Laut DUDEN gibt es zwei Bedeutungen des Worts „Zicke“

Die erste ist klar. Das liebe Tierchen, die weibliche Ziege. Aber die zweite Definition muss erst von meinen Hirnwindungen verdaut werden. Zicke ist nach dem Standardwerk der deutschen Sprache gleichzusetzen mit Mädchen und Frauen, die "schwierig" sind. Was mich stört? Zickigkeit soll ein ausschließlich weibliches Merkmal sein. Macht irgendwie auch Sinn, wenn man sich so umhört. Schließlich will uns jede Studie, unsere Mitmenschen und leider auch wir uns selbst immer wieder erzählen: „Du armes Ding. Gebeutelt von deinen Hormonen. Von PMS getrieben. Vom Mens-Schmerz geplagt. Oder irgendwas dazwischen. Du weißt eigentlich gar nicht wo hin mit deinen Gefühlen. Kein Wunder, dass du die Zicke rauslässt.“

Auch BFFs können mal nerven.

Lasst die Zicke im Stall

Zugegeben, die bösen Hormone haben auf uns Mädels einen größeren Einfluss als das bei den lieben Jungs der Fall ist. Aber nur weil wir einen Zyklus besitzen, macht uns das nicht zu Sklaven der Biologie. Wir können scheiße drauf sein, egal wie unser Östrogen-Pegel sich gerade verhält. Punkt.

Womit wir schon beim eigentlichen Knackpunkt sind: Die Zicke wird uns an den Kopf geknallt, EGAL ob wir argumentieren/diskutieren oder wirklich Mist reden. Gerade weil wir ja so arme Hormon-Opfer sind, kann es ja gar nicht sein (Achtung, Ironie), dass wir willensstark und auch dominant unsere Meinung vertreten können! Geht ja gar nicht! Dann könnte man das Bild vom soften weiblichen Wesen, vom schwächeren Geschlecht, vom zickigen Östrogenmonster - nämlich nicht mehr aufrecht erhalten. Man müsste sich je nach Situation die Mühe (WAS FÜR EIN AUFWAND) machen, zu unterscheiden: Handelt es sich grade um schlechte Laune oder eine Diskussion? Aber das ist natürlich nicht so praktisch wie die „Ach die Hormone, Mädels sind Zicken und eh schwieriger als Jungs“-Duden-Definition. Schade aber auch.

Und nun? Ich sehe drei Lösungen. Eine für die faulen Mitmenschen: Gebt uns ein passendes (!!!) männliches Wort für Zicke. Das können wir Mädels den Jungs dann genauso unüberlegt (oder auch überlegt) an den Kopf werfen. Die aufwändige Variante wäre: Erst denken, dann reden. Oder wir lassen die Zicke gleich da, wo sie biologisch gesehen hingehört. Im Stall!

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