• Was ist Pro-Ana?

    Gefährliche Magersucht als Lifestyle - dieses falsche Bild vermitteln Pro-Ana Seiten im Netz

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Pro-Ana: Der gefährliche Trend

"Ich bin FAUL, FETT, DUMM, HÄSSLICH! Warum begreift mein Körper nicht endlich, dass ich das Essen nicht brauche? Ich WILL doch nicht essen, ich will nicht! Glaube mir, doch mein Wille wird täglich gebrochen, vom Essen, das mich lockt und mich verführt! Schwach, SCHWACH, SCHWACH!!! ICH HASSE MICH!!!!!!!"

Solche Tagebuch-Einträge findet man zuhauf im Internet. Dieser Hilferuf klingt für gesunde Menschen unverständlich und absurd – in Pro-Ana Foren ist das die Normalität.

Pro-Ana und Pro-Mia-Webseiten verherrlichen Magersucht und Bulimie als erstrebenswerten Lifestyle. Mädchen (und auch Jungs) suchen und finden im Internet in Pro-Ana Foren Gleichgesinnte, mit denen sie ihre Magersucht teilen, sich gegenseitig anfeuern, Tipps zum Erbrechen, Hungern und Verheimlichen geben.

Sie unterstützen sich dabei, das gemeinsame Ziel von einem BMI (Body Mass Index) unter 17 zu erreichen.

Bin ich übergewichtig?

Die totale Kontrolle über das Essen und die Perfektion des dünnen Körpers ist alles was zählt, andere Dinge werden nebensächlich.

Pro Ana: Falsche Freundin und die Folgen

Pro-Ana kommt von Anorexia nervosa, dem medizinischen Begriff für Magersucht, Pro Mia von Bulimie. Ana wird wahrgenommen wie eine Freundin, die einzige Freundin, der man vertrauen kann und die für einen da ist: „Ich fülle deinen Kopf mit Gedanken über Essen, Gewicht und Kalorien. Denn jetzt bin ich bereits in dir. Ich bin in deinem Kopf, deinem Herzen, deiner Seele. Den Hunger und die Schmerzen, die du vorgibst zu spüren, bin ich in dir“, steht in dem fiktiven Brief von Ana zu lesen.

Doch Anorexia nervosa ist keine Freundin – es ist eine Krankheit und für fast 15 % der Betroffenen ein Todesurteil. Zu den möglichen Folgen von Magersucht und Bulimie zählen unter anderem Unfruchtbarkeit, Haar – und Zahnausfall, Organschäden, Stopp des Größenwachstums, Knochenerweichung (Osteomalazie) und eine Verminderung der Knochengrundsubstanz (Osteoporose).
Durch einen gestörten Hormonhaushalt kann sich eine extreme Körper- und Gesichtsbehaarung bilden, unangenehmer Körpergeruch entstehen und die Haut reißen.

Isabelle Caro verlor den Kampf gegen die Magersucht. Mit nur 28 Jahren verstarb sie: Magermodel Isabelle Caro ist tot

Was ist Pro Ana?

Neben Esstagebüchern, contests (Der User mit dem meisten Gewichtsverlust, dem niedrigsten BIM… gewinnt), Richtlinien fürs Wiegen, strikten Anweisungen unter anderem zum Ess- und Sozialverhalten und Fotos von knochigen (oft noch nachbearbeiteten) Körpern als Inspiration (Thinspirations) wird Pro-Ana wie eine Art Religion gelebt.

Die Sacred texts („heilige Texte“): Brief von und an Ana, Glaubensbekenntnis, 10 Gebote, Psalme und Sprüche zur Motivation lesen die Mädchen sich regelmäßig durch, um ihrem Ziel, einem abgemagerten Körper, näher zu kommen. Der „Brief von Ana“ ist auf den Websites eine Art Manifest, die Richtlinie für das echte und leichte Leben.
Nach Schätzungen von klicksafe.de gibt es inzwischen fast 1 000 „Pro-Ana“-Seiten im deutschsprachigen Raum, die regelmäßig von mehreren Hunderttausend Jugendlichen besucht werden. Jugendschutz.net beobachtet kontinuierlich Pro-Ana- und Pro-Mia-Sites im Internet und überprüft sie auf Jugendschutzrelevanz.
Die Mehrheit der Angebote, rund 80 Prozent, verstößt gegen den Jugendschutz, weil sie Essstörungen propagieren. Gegen solche unzulässigen Inhalte im Netz geht jugendschutz.net vor und löscht oder indiziert solche Seiten. Trotzdem finden die Pro-Ana Anhänger immer wieder Schlupflöcher im Netz, kreieren neue Seiten oder schaffen Passwörter geschützte Bereiche, zu denen man nur Zugang nach mehrmaligen Checks hat.

Pro-Ana: Hier gibt es Hilfe

ro-Ana und Pro-Mia Anhängerinnen wollen unter sich bleiben und trotzdem erkannt werden: Anas tragen rote Armbändchen, Mias Armbänder sind lila.

Essstörungen zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren – die Verherrlichung, Verharmlosung oder das Gleichsetzen mit einem coolen Lifestyle ist fatal und hat schreckliche Folgen.
Du hast auch Probleme mit dem Essen, brauchst Hilfe oder willst dich noch weiter über Magersucht, Bulimie und andere Essstörungen informieren? Hier findest du viele hilfreiche Informationen:
www.bzga-essstoerungen.de
www.hungrig-online.de
www.anad.de
www.magersucht.de
www.cinderella-rat-bei-essstoerungen.de
www.bmg.bund.de
Eine Beratungsstelle in deiner Nähe findest du hier: Beratungsstellensuche

Wie ist dein Essverhalten? Mach den Test und finde heraus, ob du gefährdet bist. Hanna war fünf Jahre lang magersüchtig und berichtet auf Mädchen.de von ihrem Leidensweg. Lies die Magersucht-Reportage. Noch mehr Infos zu Magersucht, Bulimie & Co.: Essstörungen.

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