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Safe Shorts: Hose soll vor Vergewaltigung schützen

Dass in den meisten Frauen Unbehagen aufsteigt, sobald sie sich alleine in eine einsame Straße begeben, ist keine Neuigkeit. Schließlich hört man immer wieder von sexuellen Übergriffen. Eine Frau aus Oberhausen hat jetzt die Lösung: die Safe Shorts. Doch wo fängt der Schutz eigentlich an? 

Safe Shorts

"Safe Shorts ist die erste Hose, die dich vor sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung schützen kann." Ein Slogan, der einen mal kurz innehalten lässt. Wie ist das möglich? Unser erster Gedanke war folgender: ein Keuschheitsgürtel. Doch die Tatsache, dass sich Frauen freiwillig eine Art Gürtel mit Schloss umlegen, ist gar nicht so abwegig wie anfangs gedacht. Nur handelt es sich hierbei nicht um eine kiloschwere Last, welche einem in diesem Zusammenhang zuerst in den Sinn kommt, sondern um eine leichte und flexible Hose. 

Die Idee der Safe Shorts stammt von Sandra Seilz aus Oberhausen. Sie wurde selbst beim Joggen fast Opfer einer Vergewaltigung durch drei betrunkene Männer. Ihre einzige Rettung - der Hund eines Passanten, der durch Zufall in diesem Moment zur Stelle war. Von da an wünschte sie sich einen Schutz, der sie vor einem derartigen Angriff bewahren sollte. Und nicht nur Sandra Seilz wünscht sich diese Sicherheit. Das Thema "Vergewaltigung" ist schon seit vielen Jahrhunderten ein ständiger Begleiter von Frauen. Für Seilz Grund genug, uns die Angst vor dieser Schutzlosigkeit zu nehmen. 

Safe Shorts: So funktioniert sie

Die Anti-Vergewaltigungshose besteht aus einem besonderen Stoff, der sich weder mit den Fingern noch mit einem Messer aufschneiden lässt. Die reiß- und schneidfesten High-Tech-Schnüre am Bund sind so angeordnet, dass die Hose nicht herunter gezogen werden kann. Die jeweiligen Enden sind mit einem 140 Dezibel Alarm gekoppelt, der den Angreifer abschrecken und in die Flucht schlagen soll. Als zusätzlichen Schutz sind die Bänder außerdem mit einem Schloss befestigt. Ein Protektor im Schritt sorgt zudem noch für den extra Schutz. Die Safe Shorts gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: als halblange Leggings (149 Euro) sowie als kürzere Slip-Variante (89 Euro). 

Vor Übergriffen an sich kann einen diese Hose nicht schützen, das weiß Sandra Seilz. Sie will den Frauen mit ihrer Safe Shorts nur die Angst nehmen und ihnen damit Schutz und Sicherheit bieten. 

Erschreckend: Eine Sex-Umfrage zeigt – so ist es für manche Jungs keine Vergewaltigung.

Safe Shorts: Ist ein Keuschheitsgürtel der richtige Ansatz?

Ob die Safe Shorts wirklich die Lösung gegen Vergewaltigungen ist, stellen viele Kritiker in Frage. Schließlich - und das haben wir in den letzten Monaten zu genüge aufgezeigt bekommen - finden die meisten sexuellen Übergriffe nicht in einer dunklen Gasse statt. Dank der #metoo-Debatte tauchten nach und nach immer mehr neue Fälle auf, bei denen Frauen von Vorgesetzten und Kollegen am Arbeitsplatz belästigt wurden. Im Fall des „Gossip Girl“-Stars Ed Westwick soll er sein Opfer sogar vergewaltigt haben. Doch nicht nur das. Auch zur häuslichen Gewalt zählt oft sexueller Missbrauch. Die Orte, an denen man sich eigentlich am sichersten fühlen sollte und daher keine Safe Shorts trägt. 

Neben all den Diskussionen steht eine sehr wichtige Frage im Raum: Warum sind wir Frauen dafür verantwortlich, dass wir Opfer eines sexuellen Überfalls werden? Immerhin wird die Schuld oft auf sie geschoben: "Sie war zu freizügig angezogen. Sie hat die Gewalttat provoziert." Aussagen wie diese sind nicht gerade selten. Nicht ohne Grund wurde das Projekt gegen Victim Blaming bei sexuellen Übergriffen "Aber was hattest du an?" in die Welt gerufen. 

Doch ob die Frau mit einer solchen Safe Shorts die Schuld von sich abbringen kann, bleibt zu bezweifeln. Schließlich wirft sie sich durch das Tragen dieser Hose in die Opferrolle zurück, aus der sie in den letzten Jahren versucht hat, herauszukommen. Zwar spendet die Shorts für einige den Schutz und die Sicherheit, die sie sich erhoffen, doch sind sie damit auch eingeschränkt und können sich nicht so frei bewegen, wie sie es eigentlich sollten. Unbewusst drückt sich die Frau dadurch selbst den Stempel auf, dass ein sexueller Übergriff allein ihre Schuld ist und sie allein die Verantwortung dafür trägt.

Selbstverteidigung für Mädchen: Das musst du wissen

Diese Kritik an der Safe Shorts sehen aber nicht alle so. Denn Sandra Seilz kann sich vor Bestellungen kaum retten. Nicht nur aus Deutschland bekommt die Geschäftsfrau Anfragen, sondern auch aus Ländern wie USA, Kanada, Australien, Schweden, Norwegen, Spanien, Südamerika, Südafrika, Indien und Asien. Kann man nur hoffen, dass die Zahl der sexuellen Gewalttaten dank dieser Hose sinken wird. 

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