• Beschneidung von Mädchen - Alle Fakten dazu

    Genitalverstümmelung ist eigentlich verboten, wird aber leider immer noch praktiziert

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Report: Beschneidung von Mädchen

Beschneidung, auch Genitalverstümmelung genannt, ist eigentlich verboten, wird aber in vielen Ländern immer noch praktiziert – mit schlimmen körperlichen und seelischen Folgen für die betroffenen Mädchen.

Report über Beschneidung bei Mädchen (Fotos: © UNICEF )

Ayana ist acht Jahre alt und kommt aus Äthiopien. Vor drei Jahren änderte sich das Leben des kleinen Mädchens auf brutale Weise: Die damals Fünfjährige wurde an ihren Genitalien verstümmelt. Ohne Betäubung entfernte eine Beschneiderin mit einer Rasierklinge ihre Klitoris und die inneren Schamlippen. Bei diesem grausamen Ritual litt Ayana schreckliche Qualen. Sie blutete, schrie und wäre beinahe an den Folgen der Beschneidung gestorben.

Weltweit müssen jedes Jahr etwa drei Millionen Mädchen das gleiche Schicksal erleiden. Das sind mehr als 8000 pro Tag! Insgesamt sind schätzungsweise 150 Millionen Mädchen und Frauen von Beschneidung betroffen. In vielen Fällen werden auch noch die äußeren Schamlippen entfernt – anschließend wird alles, bis auf eine reiskorngroße Öffnung wieder zusammengenäht. Diesem Martyrium sind die Mädchen schutzlos ausgeliefert.

Gründe für die Beschneidung bei Mädchen

Obwohl Beschneidung inzwischen fast überall per Gesetz verboten ist, sind die Genitalverstümmelungen in vielen Ländern Asiens und des Mittleren Ostens verbreitet. Diese Tradition ist tief verwurzelt und der Druck auf die Familien ist groß. Mädchen, die nicht beschnitten sind, gelten in vielen Gemeinschaften als unrein, werden zu Außenseiterinnen und haben kaum Heiratschancen.

Es heißt, die Religion wolle es so – doch das stimmt nicht. Weder die Bibel noch der Koran verlangen Verstümmelungen. In Wahrheit sollen die Mädchen keinen Sexualtrieb entwickeln und damit ihre Treue als Ehefrau garantiert werden. Für die Mädchen bedeutet das ein Leben voller Schmerzen: chronische Entzündungen, lebensgefährliche Komplikationen bei Geburten und Schmerzen beim Sex. Auch die seelischen Qualen des Eingriffs werden sie für immer begleiten.

Bescheidung bei Mädchen

UNICEF Ziel: Mädchenbeschneidung ein Ende setzen

In vielen afrikanischen Ländern wächst der Widerstand gegen die Beschneidung. Vor allem junge Frauen mit guter Ausbildung wollen ihre Töchter davor bewahren. UNICEF unterstützt Initiativen in Ländern wie Äthiopien oder im Senegal. Das Ziel: die Mädchenbeschneidung abzuschaffen. Bei Informationskampagnen werden gezielt religiöse Führer, Lehrer, Ärzte und traditionelle Beschneiderinnen angesprochen. Auch wenn es bereits große Erfolge gibt, ist der Leidensweg der Mädchen und Frauen noch lange nicht vorbei.

„Mädchenbeschneidung ist eine Menschenrechtsverletzung - auch wenn immer häufiger ein steriles Skalpell an die Stelle von schmutzigen Glasscherben oder Rasierklingen tritt“, sagt die stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Maria von Welser. „Frauen brauchen Unterstützung und Aufklärung, damit die Verbote greifen. Der schreckliche Brauch sollte nicht modernisiert, sondern endlich abgeschafft werden.“ Weitere Informationen zum Thema Beschneidung findest du auf www.unicef.de

„Wüstenblume“-Autorin Waris Dirie im Interview

Ihre Geschichte berührte Millionen Menschen: Waris Dirie erzählt in ihrem Bestseller „Wüstenblume“ (weltweit über 11 Millionen verkaufte Exemplare) von den Qualen ihrer Beschneidung als Dreijährige. Außerdem beschreibt sie ihren beeindruckenden Weg vom afrikanischen Nomandenmädchen zum internationalen Topmodel. Für ihr Ziel, die Genitalverstümmelung von Mädchen endlich abzuschaffen, kämpft die gebürtige Somalierin seit über zwölf Jahren. Mehr dazu unter www.waris-dirie-foundation.com.

Mädchen: Was ist die wichtigste Mission deiner Hilfsorganisation?
Waris Dirie: "Die Menschen müssen verstehen lernen, dass weibliche Genitalverstümmelung nichts mit Tradition, Kultur oder Religion zu tun hat. Es ist die zynischste Form der Kindesmisshandlung."

Mädchen: Hast du jemals bereut, dass du dein Leben öffentlich gemacht hast?
Waris Dirie: "Nein, niemals. Es gab Leute, die nicht verstanden haben, warum ich darüber spreche. Sie hatten Angst vor der Wahrheit. Doch ich möchte, das jeder sie kennt."

Mädchen: Dein Buch wurde letztes Jahr verfilmt. Was bedeutet das für dich?
Waris Dirie: "Ich bin sehr glücklich über den Film. Nicht alle auf der Welt können lesen und schreiben. Aber Bilder sind eine Sprache, die jeder versteht. So kann ich noch mehr Menschen erreichen und für dieses wichtige Thema sensibilisieren. Das bedeutet mir sehr viel."

„Wüstenblume“ gibt´s auch auf DVD und Blu-ray. Weitere Infos zum Film „Wüstenblume“ auf Mädchen.de

(Fotos: © Rudi Tarneden/UNICEF; HQ05-1571/Giacomo Pirozzi/UNICEF)

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