• Coming-out: Ich bin lesbisch – und nun?

    Du stellst fest: "Ich bin lesbisch" und fragst dich "Wie gehe ich damit um?"

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Coming-out: Ich bin lesbisch – und nun?

Du stellst fest: "Ich bin lesbisch" und fragst dich "Wie gehe ich damit um?"

Viele Mädchen stellen schon früh fest, dass sie nicht auf Jungs stehen. Aber sie trauen sich nicht, es zu sagen – denn sie wissen, dass die Mehrheit der Freundinnen nicht so empfindet. Auch gegenüber den Eltern, der Familie und der Clique wird oft geschwiegen. Es werden Freunde erfunden,  um „mithalten“ zu können, manche Mädels legen sich sogar einen Freund zu. Warum sie das machen?

Meist geht es um „Stigmata“-Vermeidung,  d.h. die Mädchen schämen sich dafür, anders zu sein – lesbisch zu sein. „Wenn ich mich als Mädchen in ein Mädchen verliebe, stellt es mich an den Rand der Gesellschaft -  erstmal“, erklärt Rita Braaz. Und das, obwohl wir in einer sehr toleranten Gesellschaft leben -  immerhin gibt es die Quotenschwulen und -Lesben in jeder beliebigen Soap. „Aber das heißt noch lange nicht,  dass es für Eltern und Freunde einfacher geworden ist, damit umzugehen. Und vor allem, dass es für den Jugendlichen einfacher ist. Die Belastung des Coming Outs ist immer noch groß.“, betont Miriam Vath.

Wie lange es dauert, bis man ein entspanntes Leben führen kann? Bis man den Mut hat, sich zu outen? Das ist sehr unterschiedlich – meistens ist es bei jungen Mädchen so, dass sie mit dem Outing warten, bis zum Beispiel ein Auto da ist, um in die Stadt zu fahren, wegzugehen – einfach bis ein freieres Leben beginnt. Und das ist völlig okay – denn jeder Weg kann richtig sein. Man ist nicht nur dann eine „echte“ Lesbe, wenn man es vor sich her trägt!

Es ist also nicht wichtig, es in die Welt hinaus zu schreien, sondern damit umzugehen und den eigenen Weg zu finden. Und da ist alles erlaubt, vom Outing bis zum Lügen.Manche Mädels haben gar kein Problem damit und alles läuft super – in der Familie und im Freundeskreis erfahren sie keine fiesen Reaktionen. Andere wiederum haben mit Ablehnung und Vorurteilen zu kämpfen.  Egal, wie es läuft und egal, ob du dich outest oder nicht: Lass dich nicht unter Druck setzen und schau, was das Beste für DICH ist!

Was bedeutet Coming-out?

Der Begriff entstammt der Englischen Redewendung „coming out of the closet“, was wörtlich bedeutet „aus der Kammer herauskommen.“ In diesem Kontext bezieht sich der Begriff speziell auf das Bekenntnis, dass man gleichgeschlechtlich liebt. Das Coming-Out ist der Zeitpunkt, an dem man sich gegenüber seiner Familie und/oder Freunden und Bekannten dazu bekennt, homosexuell zu sein.  So merkst du, dass du Lesbisch bist: Bin ich lebisch?

Coming-out: Ja oder nein?

Nicht in jeder Situation ist es gut, sich zu outen. Das heißt nicht, dass man sich als Lesbe immer verstecken muss, aber auch nicht, es jedem sofort zu sagen – ob er es hören will oder nicht.  Denn das kann auch nach hinten losgehen.„Ich sollte mir mein Umfeld bevor ich mich oute, genau ankucken. Manchmal sind es einfach Ängste, die sich dann nicht bewahrheiten. Aber jedes Outing ist immer auch ein Risiko. Das muss man ganz klar sagen.“, weiß Rita Braaz. Der Grund: Man kann die Reaktionen der anderen nie ganz genau einschätzen. Im Vorhinein solltest du dir Gedanken machen: Was mache ich, wenn abwertende Reaktionen kommen, habe ich so viel innere Sicherheit, soviel Background, dass ich damit gut umgehen kann? 

„Wir sehen das Coming out nicht als Zeitpunkt, sondern als Identitätsfindungsprozess, d.h. es ist eine längere Phase. In die Coming-Out-Gruppen kommen die Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das kann das Gefühl sein 'Irgendwas ist anders und als einzige Antwort fällt mir das Lesbisch sein ein' bis hin zu 'Ich lebe schon lange lesbisch, weiß aber nicht, ob ich mich am Arbeitsplatz outen soll", erklärt Miriam Vath.  

Es geht vor allem darum, wie jeder individuelle Weg aussehen kann: „Es gibt mehrere Möglichkeiten: Du kannst sehr offen zu sein, total verdeckt zu sein oder aber Dinge zu verändern -  also aus Petra wird zum Beispiel Peter. Und es kann sein, dass in einem bestimmten Umfeld Sinn macht, dass es Peter ist, während es in einem anderen Kreis kein Problem ist, dass es eben eine Petra ist. Das muss auch nicht einheitlich sein.“, betont Miriam Vath.

Fazit 
Die wichtigste Message?  Hol dir Unterstützung und Hilfe, wenn du sie brauchst! Such dir Verbündete und Gleichgesinnte, die dir Kraft geben! Und last but not least: Finde deinen eigenen Weg. Was nicht bedeutet, dass du dich immer und sofort outen musst. An die Beraterinnen der LeTra München kannst du dich jederzeit wenden – auch per E-Mail. Und auch wenn du nicht in München wohnst!
>> Eine Mail an LeTra schreiben 

Wir danken Miram Vath und Rita Braaz ganz herzlich für das Interview, die vielen Informationen und Tipps.

Support, Kontakte & Beratung für lesbische Mädchen 

Andere lesbische Mädchen kannst du in schwul-lesbischen Jugendtreffs kennenlernen, auf www.lesben.org gibt es eine Linksseite mit einer Übersicht zu regionalen Jugendgruppen: 
Schwul-lesbische Jugendgruppen in ganz Deutschland 

* Diversity - Das LesBiSchwule Jugendzentrum in München
www.diversity-muenchen.de 

Kontakt, Beratung & Support

* LeTra - Beratungsstelle des Lesbentelefons e.V in München
www. LeTRa.de

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