• Sommer der Liebe

    Jacqueline Hrdina (16) über einen perfekten Sommer der Liebe.

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Sommer der Liebe

Jacqueline Hrdina (16) über einen perfekten Sommer der Liebe.

Es war ein lauwarmer Sommertag. Ich saß im Garten auf unserer kleinen Hollywoodschaukel und beobachtete die Vögel. Manchmal wünschte ich, ich wäre auch ein Vogel, um jederzeit zu Stefano fliegen zu können. Stefano habe ich vor ein paar Monaten kennengelernt, als ich mit meinen Eltern Urlaub in Griechenland gemacht habe. Ich kann mich noch ganz genau an unsere erste Begegnung erinnern: Meine Eltern und ich aßen in einem Restaurant zu Abend. Als ein junger Kellner an unserem Tisch auftauchte und uns in gebrochenem Deutsch fragte, was wir bestellen wollten, blickte ich auf und sah in die schönsten braunen Augen der Welt. Mich durchzuckte eine seltsame Art von Blitz und ich bekam eine Gänsehaut. Der Kellner lächelte, als er bemerkte, dass ich ihn anstarrte. Als ich spürte, wie ich rot wurde, versteckte ich mich hinter der Karte. Aber den ganzen Abend über beobachtete ich ihn.Er war der Sohn des Hauses und schien sich als Bedienung sein Taschengeld aufzubessern. 

Als wir mit dem Essen fertig waren, gingen meine Eltern schon voraus, während ich noch auf die Toilette ging. Beim Rausgehen stieß ich fast mit dem süßen Kellner zusammen Als ich rausging, stieß ich fast mit dem süßen Kellner zusammen. Er murmelte auf Deutsch eine Entschuldigung. Ich mochte seinen griechischen Akzent. Wieder wurde ich rot und nickte nur. Er nahm meine Hand, öffnete sie, drückte mir einen Zettel hinein und ging zurück ins Lokal. Verwundert schaute ich ihm hinterher. Zurück im Hotel öffnete ich den Zettel. Es stand eine Handynummer, ein Name, eine Adresse und eine Uhrzeit darauf. 

Da meine Eltern noch in die Hotelbar gingen, nutzte ich die Gelegenheit und nahm die Einladung von Stefano wahr. Meinen Eltern schrieb ich eine Notiz, dass ich noch am Strand bummeln würde. Dann machte ich mich mit dem Taxi auf den Weg zu der besagten Adresse, die auf dem Zettel stand. Als der Fahrer mich dort absetzte, staunte ich nicht schlecht. Es war eine riesige Villa, in der gerade eine Pool-Party stattfand. Ich konnte viele hübsche Mädchen im Bikini und tolle griechische Jungs in Badehosen erkennen. Plötzlich entdeckte ich ihn! Er stand mit einer ultracoolen roten Badehose am Pool und unterhielt sich mit einem Jungen. Ich bekam Herzklopfen, als er plötzlich zu mir herübersah und lächelte. Fröhlich begrüßte er mich und öffnete mir das Tor. Er stellte sich mit „Stefanos“vor und reichte mir seine Hand. Nun stellte auch ich mich mit „Pia“ vor. Seine Hände waren weich und warm. Später gingen wir zum Strand. Wir setzten uns in den Sand und beobachteten die Sonne, die langsam unterging. Ich lehnte mich gegen seinen nackten Oberkörper. In mir kribbelte es total. Dieses Gefühl hatte ich noch nie gespürt! Stefanos blickte mich an und gestand mir, dass er mich toll findet. Ich lächelte und sah ihm dabei in seine wunderschönen Augen. Dann passierte es! Stefanos beugte sich zu mir herunter und küsste mich. Ich schloss meine Augen und genoss diesen wundervollen Moment, meinen ersten Kuss! Als er sich wieder von mir löste, hatte ich so ein Gefühl aus Freude und gleichzeitig Trauer. Ich hatte mich total in ihn verliebt. Aber diese Liebe konnte doch nicht lange halten, da er hier in Griechenland lebte und ich in Deutschland. 

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen, weil ich nur an ihn denken konnte. In den nächsten Tagen verabredeten wir uns auf dem Wochenmarkt, am Strand, bei ihm zuhause und in dem Restaurant seiner Eltern. Leider war dann auch schon schnell die herrliche Zeit in Griechenland vorbei.

Am Abreisetag wartete Stefanos schon am Flughafen auf uns. Ich musste weinen, als ich mich von ihm verabschiedete. Er schwor mir, dass er mich in Deutschland besuchen würde, sobald er genügend Geld beisammen hatte. Ich versprach ihm, dass ich auf ihn warten werde. Kurz bevor wir ins Flugzeug einstiegen, gab ich Stefanos noch einen Abschiedskuss. Er wischte mir eine Träne von der Wange und schenkte mir sein Lieblingsstofftier, damit ich immer an ihn denken kann. Dann ging es auch schon wieder zurück nach Hause. Während des ganzen Fluges weinte ich und wusste einfach nicht, wie es mit uns weitergehen sollte.

Wieder zuhause angekommen, überrannte mich mein Kummer, ich hätte nie gedacht, dass erste Liebe so wehtun kann! Es vergingen Stunden, Tage und Monate ohne Stefanos. Wir telefonierten alle zwei Tage und  sahen uns auch ab und zu per Videochat. In der Zeit ohne Stefanos war nichts mehr wie vorher. Ich hatte keine Lust mehr auf meine Hobbys und wurde schlechter in der Schule. Ich vermisste ihn schrecklich! 
Als ich so meinen Gedanken nachging und an unsere erste Begegnung sowie den Urlaub dachte, klingelte es plötzlich an der Haustür. Ich sprang von der Hollywoodschaukel, lief zur Tür und öffnete. Es war Stefanos. Ich traute meinen Augen kaum. Mir kamen die Tränen und auch seine Augen waren von einem Tränenschleier umgeben. Er umarmte mich fest und ich wünschte mir, dass er mich nie wieder loslassen würde. Dann reichte er mir grinsend einen Blumenstrauß: „Alles Gute zum Dreimonatigen!“, sagte er in fast perfekten Deutsch. Ich lächelte und freute mich. „Wie hast du so viel Geld zusammen bekommen und wann fliegst du wieder zurück?“, fragte ich neugierig und lehnte mich an seine Schulter. Stefanos nahm meine Hand und streichelte sie. „Meine Eltern und meine Freunde haben ihre Ersparnisse für mich geopfert, weil ich ihnen die ganze Zeit die Ohren voll geweint habe, dass ich dich vermisse. Na ja und zurückfliegen werde ich erst mal nicht!“, erzählte er mir lächelnd. Ich schaute ihn an und grinste. „Was? Wie meinst du das, du fliegst nicht zurück?!“ Er kramte in seiner rechten Hosentasche und zog einen Zettel heraus. Ich nahm ihn und las laut vor: „Stipendium für die Universität München!“ Ich konnte es einfach nicht glauben. Stefanos kicherte und beugte sich zu mir, um mir einen Kuss zu geben. „Du studierst in München?“, fragte ich. „Ja, ich werde hier ganz in der Nähe wohnen!“, antwortete er mir. „Und das alles tust du nur für mich?“ Er nickte. „Natürlich, ich liebe dich doch!“

Das war wirklich ein perfekter Sommer – ein perfekter Sommer der Liebe.

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