• Bin ich lesbisch?

    Du merkst, dass irgendwas anders ist und stellst dir die Frage "Bin ich lesbisch?" Und wenn ja: was nun?

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Bin ich lesbisch?

Du findest Jungs bei weitem nicht so interessant wie die anderen Mädels in deiner Clique. Du merkst, dass irgendwas anders ist und stellst dir die Frage „Bin ich lesbisch?“ Und wenn ja: was nun?

Wir haben nach Antworten auf diese Fragen gesucht – Rita Braaz und Miriam Vath von der Lesbenberatungsstelle LeTRa in München haben uns im Interview Rede und Antwort gestanden.

Was bedeutet homosexuell?

Der Begriff bezeichnet die (körperliche) Liebe zum gleichen Geschlecht. Männer sind schwul, Frauen sind lesbisch. Das Gegenteil von homosexuell ist heterosexuell. Jemand, der beide Geschlechter sexuell anziehend findet, wird als bisexuell bezeichnet.

"Bin ich lesbisch?" So merkst du, dass du lesbisch bist.

Frau Vath antwortet darauf mit einer Gegenfrage, die nachdenklich macht: "Wie merke ich denn, dass ich hetero bin?“. Homosexualität ist immer noch nicht gesellschaftliche Normalität – sonst müsste diese Frage nicht gestellt werden. Aber: "Es hat etwas damit zu tun, wohin ich schaue, was mir auffällt und was mich anmacht. Und vor allem: Wann, wo und wie ich mich verliebe.“, ergänzt sie.
Zumindest sei das bei manchen so, andere Mädels in der Vor-Coming-Out-Phase bemerken hingegen nur, dass etwas anders ist, was sie aber nicht genau benennen können. Die Antwort kommt dann meist mit dem ersten Bauchkribbeln.
Ist es vielleicht nur eine Phase?
„Natürlich kann es eine Phase sein, die vorbeigeht. Manchmal ist es auch so, dass mit der besten Freundin ein sehr inniges und intensives Verhältnis besteht und man sich vielleicht auf eine andere Art angezogen fühlt. Das geht dann auch manchmal wieder vorbei. Und das muss auch nicht zu einer lesbischen Lebensweise führen. Aber: Es kann auch sein, dass es einfach unterdrückt wird. Das Leben ist nicht immer ein gerader Weg.“, stellt Rita Braaz fest.
Es gibt vieles dazwischen - zwischen lesbisch sein und hetero. „Es ist unser Ansatz in der Beratung, dass wir den Mädchen nicht erklären „Du bist lesbisch, merk‘s dir und vergiss es auch ja nicht!“, sagt Rita Braaz. "Wichtig ist es vor allem, wirklich danach zu schauen: Was sind da für Wünsche, Bedürfnisse und wie kann das Mädchen oder die junge Frau diese Bedürfnisse leben. Das ist für viele Mädchen ein großer Schritt, aber trotzdem gehen ihn ganz viele.“

Bin ich normal? Muss ich mir jetzt die Haare abschneiden und Jungs blöd finden? Soll ich es meiner Familie sagen oder lieber schweigen? All das geht dir durch den Kopf. Was du tun kannst, wo du Unterstützung findest – das erfährst du hier.

Du stehst definitiv auf Jungs und meinst, weiterlesen lohnt sich nicht? Dann beantworte dir folgende Frage ehrlich: Glaubst du auch, dass es in lesbischen Beziehungen immer einen „männlichen Part“ gibt? Wenn du jetzt JA gedacht hast, dann willkommen in der Welt der Vorurteile, die immer noch in den Köpfen sind. Und die willst du doch bestimmt ausräumen, oder?

Vorurteile gegenüber Lesben

Vorurteile gegenüber Lesben

Es ist immer noch so, dass die meisten Eltern einen Schock bekommen, wenn die eigene Tochter sagt „Ich bin lesbisch“. Es gibt leider immer noch viele Vorurteile gegenüber Lesben. Warum ist das so?

„Dass der Nachbars-Toni schwul ist, ist okay. Die Schwulen sind doch so nett. Da werden dann auch gern ein paar Klischees ausgepackt.“, erklärt Miriam Vath. Wenn es aber die eigene Lebenswelt betrifft, sieht es schon wieder ganz anders aus. „Es wird tatsächlich oft die volle Palette Vorurteile ausgepackt, die nämlich heißt 'Ich habe mir für dich ein anderes Leben gewünscht'.“ Wobei der erste Schock nicht bedeutet, dass sich die Eltern oder Freunde dauerhaft abwenden.„Es gibt halt keinen Garantieschein darauf, dass es gut geht. Und oft gibt es auch einfach eine Entwicklung. Ein erster Schock, ein Ablehnen der Eltern heißt nicht, dass es für immer so ist.“

In so einer Situation hilft es oft, sich vor Augen zu halten, wie lange man selbst gebraucht hat, um innerlich Klarheit zu haben. Miriam Vath weiß, dass ein solcher Weg lange dauern kann: „Also von diesem Gefühl 'irgendwas ist anders' über 'Aha, ich bin lesbisch!' bis 'Ich geh nach außen'.“ Das hilft, nachsichtiger mit Eltern und Freunden zu sein oder auch sich vorher schon ein bisschen zu wappnen. Damit man sagen kann: „Okay, bei mir war es ja auch nicht anders. Weil ich Vorurteile hatte, weil ich Bilder hatte, weil ich nicht anders sein wollte. Da war‘s ja für mich auch nicht ganz einfach, das Lesbisch sein anzunehmen für mich.“

Wenn du auf Ablehnung im Freundeskreis und in der Familie triffst, ist das natürlich erstmal hart. Es sind Stützen im Leben weggebrochen und nun musst du schauen, was noch da ist. Und dich fragen „Was tut mir gut?“, „Wer hält zu mir?“, „Was brauche ich jetzt?“. Am Anfang ist das nur eine kleine wackelige Insel, aber wenn dann wieder ein bisschen Sicherheit da ist, dann kann man Schritt für Schritt schauen, wie es weitergehen kann. „Sorg einfach dafür, dass es DIR gut geht!“, lautet die wichtigste Botschaft der LeTRa-Beraterinnen.

Vorurteile

„Lesbisch sein ist eine Krankheit“, „In Lesbenbeziehungen ist immer eine der 'Mann'", "Lesben müssen kurze Haare haben", "Lesben finden Männer doof". – Die Liste der Vorurteile und dummen Sprüche ist lang. „Das wird heute zwar nicht mehr so oft ausgesprochen, aber ist teilweise immer noch in den Köpfen drin“, weiß Miriam Vrath. Auf der anderen Seite haben lesbische Mädchen selbst auch Vorurteile gegenüber ihrer eigenen Sexualität. Das hängt mit der Erziehung und Prägung zusammen. „Es gibt genügend Frauen, die sagen 'Ich bin lesbisch' und das selbst als krank empfinden. Und da braucht es einen Weg, darüber hinwegzukommen.“, betont Rita Braaz.

Wie kann so ein Weg aussehen? Es gibt viele verschiedene – einer kann sein, an einer Coming-Out-Gruppe teilzunehmen, wie ihn die LeTRa anbietet.

Noch mehr Infos zum Thema findest du hier: Coming-out: Ich bin lesbisch – und nun?
Gay, Queer, Butch, Femme & Co.: Was bedeuten die Begriffe?

(Fotos: Thinkstock)

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