• Stalker: terrorisiert vom Ex

    Clara wurde von ihrem Ex-Freund bedrängt, bedroht und verfolgt. Ihre Geschichte - und wo sie Hilfe fand

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Stalker: Wenn dich dein Ex-Freund terrorisiert

Clara wurde ein Jahr lang von ihrem Ex bedrängt, bedroht und verfolgt. Lies ihre Geschichte und wo sie Hilfe fand. Plus: Die wichtigsten Verhaltensregeln für Stalking-Opfer!

Stalking Ex-Freund: Terrorisiert vom Ex

Schlimm genug, wenn eine Liebe zerbricht und eine Beziehung zu Ende geht. Nicht immer trennt man sich im Guten, doch wenn der Ex-Freund zum Feind wird, kann das Ganze böse enden. Fast die Hälfte aller Stalker, also Menschen, die einen anderen Menschen immer wieder bedrohen, bedrängen, belästigen und verfolgen, haben es auf ihre Ex-Freundin abgesehen.

Wir haben für dich alle wichtigen Fakten zum Thema Stalker und Verhaltensregeln für Stalking-Opfer. Außerdem: die Geschichte von Clara (17), die über ein Jahr lang von ihrem Ex-Freund terrorisiert worden ist.

Fakten zum Stalking

Obwohl Stalking als Straftat gilt, geht nur jedes fünfte Opfer zu Polizei. In nur neun Prozent der Fälle ist der Stalker ein Fremder, in 49 Prozent hingegen der Ex-Partner. Also jemand, dem man einst vertraut hat.

Die psychische und physische Belastung von Stalking-Opfern ist enorm. Laut einer umfangreichen Studie der Opferschutzorganisation Weißer Ring über „Stalking in Deutschland“ werden zwei Drittel der Opfer von Schlafstörungen und Albträumen geplagt. 39 Prozent der Betroffenen gaben an, körperliche Angriffe seitens des Stalkers erfahren zu haben. Fast alle Stalking-Opfer hatten Angst während der Verfolgung bis hin zu panikartigen Zuständen.
Auch wenn die Kontaktversuche der Stalker selbst in ihrer eigenen Wahrnehmung so gut wie nie zum Erfolg führten, setzen 96 Prozent der Stalker ihre Annäherungen fort. Als Gründe für ihre Beharrlichkeit nannten sie zum Beispiel, dass sie davon ausgingen, dass das Opfer schicksalhaft für sie bestimmt sei oder dass ihnen von der Person Unrecht angetan wurde. Diese Realitätsverzerrung von Stalkern macht deutlich, dass klärende Gespräche so gut wie nie zu einer Beendigung der Belästigung führen.
Wenn du von jemanden belästigt oder bedroht wirst, kann es sich um Stalking handeln. Für diesen Fall gibt’s beim Weißen Ring die Notrufnummer 0561/ 6 02 94 58. Die Hilfe des Weißen Rings ist an keine Mitgliedschaft gebunden und kostenlos!

Report: Clara (17) war Opfer eines Stalkers

Stalking-Opfer sind meistens Frauen

Claras Atem ist gehetzt. Ihr Herz klopft und ihre Kehle schnürt sich zu. Sie beschleunigt ihre Schritte, um ihrem Verfolger zu entkommen, der auf offener Straße brüllt: „Ich krieg dich! Ich bring dich um, du Schlampe!“

Ein Jahr lang wurde die Schülerin von ihrem Exfreund beobachtet, verfolgt, bedroht und sogar angegriffen. „Ich hätte nie gedacht, dass Felix zu so was fähig sein würde“, gesteht die 17-Jährige. Wie man sich in einem Menschen so irren kann, ist für sie heute noch unverständlich. „Er war doch am Anfang so lieb und ich war glücklich mit ihm“.
Doch dieses Glück währte nur kurz. Bereits nach sechs Wochen Beziehung zeigte Felix sein wahres Gesicht und fing an, Clara einzuengen: „Er wollte, dass ich nur noch Zeit mit ihm verbringe, verbot mir, meine Freunde zu treffen. Ich dachte erst, er sei nur eifersüchtig und dass sich das bald legen würde“, erinnert sich Clara. Doch stattdessen wurde alles nur noch schlimmer. Wenn Clara nur Minuten später als verabredet kam, brüllte er sofort: „Wo warst du? Warum hast du dich nicht gemeldet? Gib’s zu, du hast einen anderen!“
Nach zwei Monaten ertrug Clara das alles nicht mehr und machte Schluss. Doch der 21-Jährige akzeptierte ihre Entscheidung nicht und wurde zum Stalker (dt. = Nachsteller). Von nun an verfolgte er Clara auf Schritt und Tritt. Ihr Leben, das so unbeschwert war, bevor sie Felix kannte, wurde zur reinsten Hölle. „Er hat mich über 100-mal pro Tag angerufen, mir unzählige SMS geschrieben und mir überall aufgelauert“, so Clara. Und auch vor körperlicher Gewalt machte er nicht halt. Aus Eifersucht verprügelte er Claras Kumpels und schrie, sie sollten die Finger von seiner Freundin lassen, obwohl sie schon längst getrennt waren. Auch ihre Freundinnen fing er ab und fragte sie über Clara aus.
Zweimal wechselte sie ihre Handynummer – ohne Erfolg. Er fand sie heraus und terrorisierte Clara weiter. Aus Wut über die Zurückweisung schlug Felix sie sogar zweimal mit voller Wucht ins Gesicht. Völlig irre: „Schon im nächsten Moment bereute er es und sagte, wie leid es ihm täte und dass alles wieder gut werden würde, wenn ich doch nur zu ihm zurückkäme. Mal war es die Mitleidstour, dann drohte er mir wieder“, sagt Clara. Erst jetzt tat sie das einzig Richtige in dieser Situation: Clara erstattete Anzeige.
Wie wichtig dieser Schritt ist, das weiß Alexander Tietze von der Schutzorganisation Weißer Ring: „Das Ziel des Stalkers ist es, Macht und Kontrolle zu erlangen. Viele Betroffenen leiden still, weil sie fürchten, er könnte seine schlimmsten Drohungen wahr machen. Doch das Opfer muss sich gegen den Täter wehren, damit das Stalking ein Ende nimmt. Wer das nicht schafft, findet bei uns Unterstützung.“ Hier bekam auch Clara Hilfe.
Felix wurde inzwischen vom Gericht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Weil seine Anwältin Berufung eingelegt hat, ist er noch auf freiem Fuß, darf sich Clara aber nicht nähern und sie auch nicht ansprechen. Eine Tatsache, die Clara dennoch nicht beruhigt. Nachts wacht sie oft schweißgebadet auf. Und wenn sie auf der Straße Schritte hinter sich hört, beginnt ihr Herz wie damals zu rasen – aus Angst, es könnte Felix sein. Sich neu zu verlieben, daran ist noch lange nicht zu denken. Denn Clara fällt es schwer, einem Jungen zu vertrauen. Ihr einziger Wunsch ist: „Dass ich Felix nie wieder sehen muss und mich endlich wieder frei fühlen kann.“

Verhaltensregeln für Stalking-Opfer

Verhaltensregeln zum Schutz vor Stalkern

Stalking ist eine Straftat und darf nicht aus Scham oder Angst verschwiegen werden. Wenn du von einem Stalker belästigt oder bedroht wirst, ist Handeln angesagt. Hier sind die wichtigsten Regeln, wie du dich als Stalking-Opfer verhalten solltest.

1. Mach dem Täter sofort und sehr deutlich klar, dass du KEINEN KONTAKT mit ihm wünschst.
2. Ignoriere den Stalker anschließend völlig! Triffst du ihn in der Schule oder deinem privaten Umfeld, geh möglichst jedem Kontakt aus dem Weg.
3. Rede mit deinen Eltern, deinem Vertrauenslehrer bzw. einer Vertrauensperson über die Situation.
4. Informiere als Opfer eines Stalkers deine Familie, deine Freunde und dein gesamtes Umfeld.
5. Führe eine Art Tagebuch, in dem du alles notierst, was der Stalker dir schickt, mitteilt oder unternimmt. Sammle alles, was als Beweismittel dienen kann – damit du Fakten hast, die der Polizei vorlegen kannst.
6. Geh zur Polizei und erstatte unbedingt Anzeige! Laut einer wissenschaftlichen Auswertung sind Opfer, die Anzeige erstattet hatten, sicherer vor Übergriffen als Opfer, die die Polizei nicht eingeschaltet hatten.
7. Wende dich an eine Opferhilfeorganisation, z.B. an den Weißen Ring.

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