• Soziales Engagement? Na klar!

    Wir stellen euch zwei Mädchen vor, die sich für andere ensetzen. Und so die Welt ein bisschen besser machen.

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Soziales Engagement? Na klar!

Von wegen "Null Bock auf gar nichts". Laut einer emnid-Umfrage sind 42 Prozent der Schüler ehrenamtlich aktiv und engagieren sich so für eine bessere Gesellschaft.

Soziales Engagement? Na klar!

Daran zweifelten ganz schön viele von euch Usern im Gesellschafts-Forum, als wir euch vor ein paar Wochen den Deutschen Engagementpreis 2010 ans Herz gelegt haben. Aber warum eigentlich? Warum lieber meckern, statt selbst aktiv zu werden? Weil es sich nicht lohnt? Oder weil es "zu anstrengend" ist?

Wir stellen euch zwei Mädels vor, die sich ehrenamtlich sozial engagieren. Lena Müller und Christina Haar verrieten uns im Interview, warum sie sich einsetzen, was an der Arbeit besonderen Spaß macht und was das "Geben" ihnen zurückgibt.

Lena Müller

Lena Müller - Projekt Regenbogenschule

Lena ist 15 und eine ganz normale Schülerin aus Dülken. Seit mehr als drei Jahren engagiert sie sich in der Regenbogenschule in Mönchengladbach. Das ist ein Dienst der Gemeinschaft Sant‘Egidio, eine christliche Gemeinschaft, die sich weltweit mit unterschiedlichsten Projekten für die Armen einsetzt.

Mädchen.de Wie bist du darauf gekommen, dich in der Regenbogenschule zu engagieren?

Lena: Die Regenbogenschule gibt es schon seit über 20 Jahren. Meine Mutter hat mich immer mitgenommen als ich kleiner war. Mittlerweile hat meine Mutter aufgehört und ich bin jetzt als „Leiter“ dabei. Inzwischen sind aber auch schon drei meiner Freundinnen dabei, die im Laufe der Zeit mal mitgekommen sind und seitdem regelmäßig kommen.

Mädchen.de: Wenn andere ihre Freizeit genießen, setzt du dich für andere ein. Warum machst du das?

Lena: Ich denke, dass es wichtig ist, nicht nur an sich selber zu denken, sondern auch etwas für Andere zu tun. Ich finde, man kann ab und zu auch mal etwas tun, was nicht nur mir persönlich nützt. Auch meine Freundinnen, die regelmäßig mitkommen, merken, dass es uns hilft, auch mal von den eigenen Problemen wegzugucken und Leuten zu helfen, denen es schlechter geht. Deswegen gibt es seit einigen Jahren die Regenbogenschule, in der wir mit Kindern arbeiten, die Hilfe in allen möglichen Situationen brauchen.

Mädchen hilft Kind bei den Hausaufgaben
Mädchen.de: Was machst du dort genau?

Lena: Einmal in der Woche treffen wir uns mit den Kindern und helfen ihnen bei den Hausaufgaben und ihren Problemen in der Schule. Dabei bekommen wir auch die Probleme von Zuhause mit und versuchen auch dort zu helfen. Unsere Kinder kommen aus „sozial schwachen“ Familien, in denen es sehr viele Schwierigkeiten und Probleme gibt. Die Kinder bekommen oft schon die Probleme ihrer Eltern mit oder haben große Schwierigkeiten in den Familien. Sie haben also keine behütete Kindheit, wie viele von uns das von Zuhause kennen. Viele Kinder kommen auch aus ausländischen Familien und die Eltern können kaum Deutsch sprechen.

Spielplatz und Kinder
Mädchen.de: Was macht besonders viel Spaß?

Lena: Wir sind die großen Freunde der Kinder und genau das ist der Grund, warum uns die Regenbogenschule so wichtig ist. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn wir samstags in der Regenbogenschule ankommen und wir wissen, dass die Kinder auf uns warten und uns mit einem strahlenden Lächeln begrüßen. Das zeigt uns jedes Mal aufs Neue, dass die Kinder uns brauchen. Es ist schwer zu sagen, warum genau die Regenbogenschule uns so viel Spaß bereitet, aber ich denke, dass das Zusammensein mit unseren Kindern und das Wissen, dass wir sie für ein paar Stunden aus ihrem problematischen Alltag herausholen können, das ist, was uns Spaß und glücklich macht.

Mädchen.de: Wieviel Zeit verbringst du mit den Kindern der Regenbogenschule?

Lena: Wir verbringen eigentlich nicht viel Zeit mit den Kindern. Jeden Samstag 2-3 Stunden - aber auch diese kurze Zeit ist wichtig. Normalerweise geht die Regenbogenschule von 14-16 Uhr. Die erste Stunde verbringen wir mit Schulaufgaben oder Arbeitsblättern, mit denen wir die Kinder weiter fördern können. Anschließend kommen diese Blätter in Mappen, die jedes Kind besitzt. In der zweiten Stunde spielen und singen wir mit den Kindern und zum Schluss gibt es immer ein kleines, gemeinsames Essen.

Gruppe von Kindern
Mädchen.de: Geben gibt! Was „gibt“ dir dein Einsatz?

Lena: Die Regenbogenschule ist ein Ausgleich für mich. Sie hilft mir, auch mal von meinen eigenen Problemen wegzukommen. Außerdem gibt sie mir das Gefühl, dass ich gebraucht werde und das ich auch etwas tun kann, um anderen Menschen zu helfen. Ich finde, wenn man sich die Nachrichten anguckt, dann sieht man, wie schlecht es einigen Menschen geht. Wenn ich dann in die Regenbogenschule gehe und merke, wie schlecht es diesen Kindern , von denen so oft berichtet wird, geht und man sieht, wie viel glücklicher sie durch die Regenbogenschule werden, dann habe ich das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Auch finde ich, dass die Freundschaft und die Dankbarkeit, die die Kinder uns zurückgeben, unbezahlbar sind.

Mädchen.de: Was nervt manchmal?

Lena: Das Übliche halt. Wie kleine Kinder eben sind, haben sie meistens wenig Lust, etwas für die Schule zu machen. Außerhalb der Regenbogenschule nervt mich der Standartsatz: „Du mit deiner sozialen Phase!“. Dazu passt der Satz: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.“

Mädchen.de: Stell dir vor, du triffst ein gleichaltriges Mädchen, das Null-Bock-Stimmung schiebt und es öde findet, was du machst. Was würdest du diesem Mädel sagen?

Lena: Generell ist es schwierig, etwas zu sagen, denn wenn es ihre eindeutige Meinung ist, dann kann man da nicht viel dran machen. Natürlich könnte man versuchen, sie ein wenig umzustimmen. Ich würde ihr sagen, dass sie doch eigentlich keine Ahnung von dieser Sache hat und deswegen kein Recht, darüber zu urteilen. Um sich eine Meinung zu bilden, müsste sie nur einmal mitkommen und sie würde merken, dass sie völlig falsch liegt, weil die Kinder so goldig sind, dass man sie einfach nur lieben kann. Ich finde, es ist ein Unterschied, ob man nicht mit Kindern klarkommt oder ob es man gar nicht versuchen möchte. Außerdem finde ich die Einstellung „Die sind arm, was willst du denn mit denen?“ total daneben, denn die Kinder können am allerwenigsten dafür und man sollte sich selber einfach mal in ihre Lage versetzen.

Christina Haar

Christina Haar - Projekt "MuKiKi" - Munderkinger Kinderkino

Mit dem Projekt MuKiKi setzt sich die 14-jährige Christina zusammen mit ihren Mitschülern für ein kommunales Kinoangebot von Kinderfilmen ein, das den Kindern der Grundschule und der Kindergärten in Munderkingen und Umgebung zur Verfügung stehen soll.

Mädchen.de: Wenn andere ihre Freizeit genießen, setzt du dich für andere ein. Warum machst du das?

Christina: Ich mach das gerne. Es macht mir Spaß, mich für die Kleinen zu engagieren, und dass die auch mal Kino, wenigstens im Kleinen erleben dürfen. Wir haben in unserer Stadt kein Kino (mehr).

Mädchen.de: Wie bist du darauf gekommen, dich für das MuKiKi zu engagieren?

Christina: Ich habe das Amt von meine Vorgängern übernommen – hab gesehen, dass es Spaß macht - und gebe es dann auch an meine Nachfolger weiter. So läuft das schon seit 10 Jahren bei uns an der Schule. So bleibt das Angebot für die Kleinen bestehen.

Popcorn und Flyer verteilen
Was machst du dort genau?

Christina: Ich verteile die Werbezettel in den Klassen, die Plakate in den Schulen und Sporthallen, Kindergärten und in geeigneten öffentlichen Geschäften. Ich plane den Einkauf des Popcorns und der Getränke mit Herrn Hummel. Am Kinotag bereite ich im Team den Raum vor, Stühle – Tische herrichten, verteilen der „Eintrittskarten“, die Kinder bekommen einen lustigen Stempel aufgedrückt, verkaufen von Getränken und Popcorn, das wir vorher in Original Kino-Popcorntüten mit einer Originalpopcornschaufel abgefüllt haben, - es soll ja wie ein echtes Kino sein! Dann stellen wir alles in unseren selbstgebauten Bauchladen. Es soll ja auch schön präsentiert werden. Ich helfe auch dem Filmvorführer. Am Ende wird der Raum gereinigt und die Stühle und Tische werden wieder sauber gemacht. Dann kommt die Abrechnung.

Mädchen.de: Wieviel Zeit steckst du ins MuKiKi?

Christina: In der Vorbereitung brauche ich ungefähr zwei Stunden. Am Tag selber drei Stunden, bis alles wieder aufgeräumt und sauber ist.

Mädchen.de: Was macht besonders viel Spaß?

Christina: Am meisten macht mir der Umgang mit den Kindern Spaß. Sie zu bedienen, ihnen zu helfen, wenn es mal ein Problem gibt, etwa beim Toilettengang. Die Kinoauswahl am Jahresanfang ist auch gut. Wenn wir gemeinsam die Filme auswählen können, die im Jahr über gezeigt werden sollen. Schön ist natürlich auch das gemeinsame Pizzaessen am Jahresende und die Beschaffung von Spielsachen für die Kleinen unserer Schule vom Erlös des MuKiKi.

Mädchen.de Und was nervt manchmal?

Christina: Eigentlich nervt mich so schnell nix. Aber es gibt schönere Momente, als wenn am Ende auf dem Boden Popcorn rumliegt oder leere Getränkebecher und die dann aufgeräumt werden müssen. Aber so ist es halt und das gehört zum Kino dazu, wie beim echten Kino -und wir wollen ja richtige Kinoatmosphäre schaffen.

Im Mädchen.de Gesellschafts-Forum kannst du mit anderen Mädels darüber diskutieren, was jeder von uns für die Gemeinschaft tun kann. Plus: Auf geben-gibt.de findest du noch mehr tolle Projekte, in denen sich Jugendliche sozial engagieren.

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