• Wüstenblume

    Waris Diries Lebensgeschichte ist ein rührender autobiographischer Film: ein absolutes Muss!

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Kino-Tipp: Wüstenblume

Es ist grausam, entwürdigend und kostet immer noch vielen Mädchen auf der ganzen Welt das Leben: Beschneidung. Waris Diries Autobiographie „Wüstenblume“ hat einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Genitalverstümmelung geleistet und eine Protestwelle ausgelöst. Jetzt wurde ihre Lebensgeschichte verfilmt – ein berührender Film, den du auf keinen Fall verpassen solltest!

Darum geht’s
Wüstenblume: Szenenbild

Waris ist gerade erst 13 Jahre alt, als sie aus ihrer somalischen Heimat flieht. Der Grund: Sie soll zwangsverheiratet werden und zwar mit einem sehr viel älteren Mann. Mit fast nichts am Leib außer Sandalen und ohne Essen macht sich Waris auf den Weg durch die Steinwüste Somalias nach Mogadischu zur Familie ihrer Mutter. Und sie schafft es!

Großmutter und Tante bringen das Mädchen bei Verwandten in der somalischen Botschaft in London unter, wo Waris als Dienstmädchen die nächsten Jahre völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Ein Leben hinter Gittern. Doch als der Bürgerkrieg ausbricht und die Botschaft geschlossen wird, droht die Abschiebung – Waris (Liya Kebede) bleibt wieder einmal nichts anderes übrig als die Flucht. Sie taucht im Großstadtdschungel Londons unter.

Wüstenblume: Szenenbild

Mit Gelegenheitsjobs hält sich die junge Somali über Wasser und findet endlich eine Freundin, - die Verkäuferin und Lebenskünstlerin Marilyn (Sally Hawkins) - mit der sie die schrecklichen Erinnerungen teilen kann. Dazu gehört auch, dass Waris als kleines Mädchen beschnitten wurde…

Doch dann entdeckt sie Starfotograf Terry Donaldson (Timothy Spall) und aus Waris wird innerhalb kürzester Zeit ein Supermodel, um das sich die Topdesigner reißen. Stolz, geheimnisvoll und wunderschön ist Waris, kein Wunder dass sie im Nu die internationalen Laufstege erobert. Doch der Erfolg kann nicht die schrecklichen Erlebnisse ihrer Kindheit nicht wettmachen: Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erzählt sie in einem Interview von der grausamen Tradition der Frauenbeschneidung, deren Opfer sie selbst als kleines Mädchen wurde. Mitgefühl und Protest sind die Reaktionen der Öffentlichkeit – und Waris beschließt, ihre Berühmtheit zu nutzen, um der Genitalverstümmelung den Kampf anzusagen.

Unser Fazit:

Ein rührender autobiographischer Film, der ein absolutes Muss ist. Waris Dirie selbst sagt über den Film: „Als ich den fertigen Film zum ersten Mal sah, war es nicht einfach, mein eigenes Leben auf der Leinwand zu sehen. Als ich das Kino verließ, war ich innerlich unglaublich aufgewühlt. Doch ich wusste, dass dieser Film eine wichtige Botschaft hat, die von allen Menschen geteilt wird: die Achtung menschlicher Würde.“

Kinostart: 24. September 2009

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Facts zur Beschneidung

Schätzungsweise 130 Millionen Frauen sind weltweit beschnitten, jedes Jahr wird zwei Millionen Mädchen dieses schreckliche Ritual angetan. Üblich ist diese Tradition heute noch vor allem in Äthiopien, Eritrea und Gambia (über 90 Prozent aller Frauen sind hier beschnitten), aber auch in Brasilien, auf den Philippinen, in Indonesien, Malaysia und Pakistan ist Beschneidung gängige Praxis.

Die Genitalverstümmelung reicht von der Entfernung der Klitorisvorhaut (milde Sunna) über die Entfernung der Klitoris und der inneren Schamlippen bis hin zum Vernähen der äußeren Schamlippen, so dass nur eine winzige Öffnung für Blut und Urin offen bleibt.

Die Beschneidung selbst wird oft von Frauen durchgeführt, die dieses „Handwerk“ von ihren Müttern erlernt haben. Ohne anatomisches Wissen und meist mit verdreckten Klingen gehen diese Frauen zu Werke – und das ohne Betäubung. Die Folgen sind neben einem schweren seelischen Trauma unerträgliche Schmerzen und Infektionen. Viele Mädchen sterben sogar an den Folgen. Doch auch nach langer Zeit haben die Frauen Schmerzen beim Wasserlassen, der Periode – manchmal sogar beim Gehen. Sex ist kein Genuss, denn der Mann reißt beim Geschlechtsverkehr alles wieder auf. Entzündungen und dauerhaftes Leid stehen auf der Tagesordnung.

Warum?

Die Beschneidung ist eine alte Tradition. Viele Frauen glauben heute noch, dass es absolut notwendig ist und sie nur so ehrbare Ehefrauen werden können. Wer sich weigert, dem drohen Ausgrenzung und Verfolgung.

(Szenenbilder: © Majestic / Walter Wehner)