• So hat sich Katherine Langford auf die Suizid-Szene vorbereitet

    "Sie ist schlichtweg qualvoll und schmerzhaft anzuschauen."

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Ist die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ etwa gefährlich?

Es ist eine 'neverending Story'. Die Diskussionen, ob "Tote Mädchen lügen nicht" (im englischen Original „13 Reasons Why“) eine Bedrohung für labile Jugendliche darstellt, gehen immer weiter. Und vor allem die umstrittene Suizid-Szene sorgt für viel Shitstorm. Doch jetzt hat sich Katherine Langford dazu geäußert, wie es für sie war, diese Szene zu drehen.

So war es für Katherine Langford, die Suizid-Szene zu drehen

Immer wieder sorgt die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" für Aufsehen. Und vor allem die Schluss-Szene, in der Hannah Baker sich das Leben nimmt, war vielen Leuten ein enormer Dorn im Auge. Schließlich könnte diese suizidgefährdete Zuschauer in der Tatsache, dem Leben ein Ende zu setzen, nur bestätigen. Doch die eigentliche Absicht der Autoren, den Zuschauern zu zeigen, dass ein Selbstmord auf keinen Fall lohnenswert ist (siehe weiter unten), wird von den meisten Kritikern erst gar nicht angehört. Und auch Katherine Langford - Hannah Baker - hat sich jetzt dazu geäußert, wie es für sie war, diese schlimme Suizid-Szene zu drehen. Im Interview mit Deadline verriet sie auf die Frage, wie sie sich auf diese Szene vorbereitet hat: "Ich denke nicht, dass da jemals ein Moment war, in dem wir Hannahs Selbstmord nicht zeigen wollten, denn das wäre dem Sinn der Serie nicht gerecht geworden. Ich hätte das Gefühl gehabt, das würde die Schwere dieses Themas beschönigen. Die Szene ist nicht schön, sie ist nicht romantisiert, sie ist keine schöne Tragödie – sie ist schlichtweg qualvoll und schmerzhaft anzuschauen."

Wir stellen es uns wirklich nicht einfach vor, so ein heikles Thema schauspielerisch so gut zu spielen, wie es Katherine letztendlich getan hat. Doch sie hatte professionelle Hilfe. "Ich habe immer wieder mit Brian und mit medizinischen Fachleuten gesprochen. Außerdem habe ich mit einem Psychiater zusammengearbeitet, der sich auf psychische Krankheiten bei Jugendlichen spezialisiert hat, um zu versuchen, zu verstehen, was jemand zu diesem Zeitpunkt durchmachen würde." Doch obwohl sie sich super unterstützt fühlte, war sie dann, als es darum ging die Szene zu drehen, plötzlich extrem traurig, dass sich Hannah für diesen Weg entschieden hatte. "Es war dieser Moment, in dem man das Mädchen spielen muss und ihr nicht sagen kann, sie solle es nicht tun. Denn schließlich ist es nur ein Charakter." 

22 Jähriger ahmt Selbstmord von Hannah Baker nach

Franco Alonso Lazo Medrano war erst 23 Jahre alt, als aus dem vierten Stock seines Wohngebäudes sprang. Klingt eigentlich erst einmal nicht danach, als ob er sich die Serie tatsächlich zum Vorbild genommen hat. Als die Polizei jedoch Ermittlungen aufgenommen hat, haben sie zwei Notizen gefunden. Die eine Notiz war ein Abschiedsbrief an eine Claudia gewesen. Das zweite Schreiben war eine Erklärung, wie man zu Stimmaufnahmen auf seinem Computer gelangt, die an Personen aus seinem Leben weitergeleitet werden sollen. Ob er diesen Menschen Schuld an seinem Tod gibt, weiß man nicht. Außerdem gab es auch keinen Beweis dafür, dass die Serie tatsächlich als Vorbild gedacht war. Die Parallelen mit den Aufnahmen sind leider dennoch nicht von der Hand zu weisen.Allerdings werden sich die Kritiker bei ihrem Verdacht, die Serie sei gefährlich, wohl nun bestätigt sehen.  

Hauptdarstellerin Katherine Langford äußert sich zur Kritik

Nicht nur Co-Produzentin Selena Gomez äußerte sich zu den Vorwürfen, dass „Tote Mädchen lügen nicht“ gefährlich sei, da es Selbstmordraten in die Höhe treiben und Selbstmord selbst glorifizieren würde. Auch die Hauptdarstellerin Katherine Langford, die die Hauptrolle der Hannah Baker spielt, ging jetzt in Jimmy Fallons „Tonight Show“ auf die Vorwürfe ein.

 „Natürlich ist das Thema kontrovers und solche Dinge regen eine Diskussion an. Aber genau das ist der wichtige Punkt dabei! Wir behandeln so viele wichtige Themen in der Serie, die durch eigene Erfahrungen ganz unterschiedlich auf die Leute wirken können. Jeder empfindet es anders, daher möchte ich keinem vorschreiben, was er dabei zu fühlen hat“, so die Schauspielerin. Außerdem sagt sie: „ Aber ich persönlich, da ich ja selbst in die Show involviert bin, gesehen habe, welche Gedanken dort eingeflossen sind, ich selbst eine junge Erwachsene bin und finde, dass wichtige Themen behandelt werden, bin sehr stolz darauf, wie wir die Thematiken behandelt und gezeigt haben.“

Katherine Langford postet auf Instagram Link für mehr Infos

Außerdem findet Katherine, dass Netflix tolle Arbeit geleistet hat, da es sich in der Verantwortung sah, auch nach den Dreharbeiten und dem Ende der Serie sich weiter mit den Problemthemen zu befassen und weiter Hilfe für betroffene Menschen zu liefern. So gibt es beispielsweise dafür zusätzliches Videomaterial, was nach Folge 13 gezeigt wird. Auch Katherine Langford will betroffenen Menschen helfen und postet Links zu Hilfsorganisationen und Beratungsstellen auf ihrem Instagramprofil.

Wir finden auch, dass sich sowohl die Produzenten, als auch die Schauspieler genauso wie Netflix selbst, große Mühe geben, die Themen ernsthaft zu behandeln und Hilfestellungen zu geben. Immerhin kann man die gestiegene Rate bei telefonischen und Onlineberatungsstellen auch als positiv werten. Denn statt sich einfach das Leben zu nehmen, suchen sich die Menschen Hilfe! Und das ist es doch, worauf es ankommt: Betroffenen Menschen Möglichkeiten vermitteln, wie und wo sie sich Hilfe suchen können. Auch wenn es Zuschauer gab, die sich das Ganze eher während der Folgen gewünscht hätten, werden trotzdem im Nachhinein und durch die vielen Diskussionen über das Thema Selbstmord Optionen aufgezeigt. Die Beratungswünsche während den Folgen möchte Netflix außerdem in Staffel 2 von „Tote Mädchen lügen nicht“ umsetzen.  

Jetzt reagiert Co-Produzentin Selena Gomez auf die Kritik

Nach dem großen Erfolg der Netflix-Serie „13 Reasons Why“, hagelt es auch viel Kritik zu „Tote Mädchen lügen nicht“. In Neuseeland wurde die Serie sogar aus Unterrichtsgesprächen verbannt! Jetzt hat Selena Gomez, Co-Produzentin von „13 Reasons Why“, in einem Interview mit Associated Press endlich auf die heftige Kritik reagiert: 

"Wir haben uns sehr an die Buchvorlage gehalten [...]. Jay Asher hat diese wunderschöne, tragische, komplizierte und spannende Geschichte geschaffen und dem wollten wir gerecht werden", so Selena Gomez. "Ich wusste, dass Kritik kommen würde, egal was passiert. Es ist kein einfaches Thema. Aber ich bin sehr glücklich mit der Entwicklung [der Serie] [...] und sehr stolz." 

In einem Interview mit E! fügt Co-Produzentin Selena außerdem hinzu, sie wolle, dass die Serie "den Kindern einen Schrecken einjagt, aber in einer Weise, dass sie darüber sprechen wollen [...].“ Na das ist Selena Gomez und den anderen Stars von „13 Reasons Why“ auf jeden Fall gelungen! 

Zara Larsson kritisiert Selena-Gomez-Serie

Nicht nur Gesundheitsorganisationen kritisierten die neue Netflix-Serie „13 Reasons Why“, auch Zara Larsson (19) äußerte jetzt Kritik. Die schwedische Sängerin schrieb dazu auf Twitter, dass für sie die Serie belanglos sei. Selena Gomez Fans konnten das natürlich nicht so stehen lassen, verteidigten die Serie und meinten, sie sei in keiner Weise belanglos, vor allem nicht, da so viele über sie diskutierten. Zara antwortete daraufhin, dass sie „Tote Mädchen lügen nicht“ unrealistisch fände und vor allem, dass für ihr Empfinden die Themen geistige Erkrankung und Depression nicht angesprochen werden würden. „Meiner Meinung nach, romantisiert es einen Selbstmord aus Rache und behandelt geistige Erkrankungen und Depressionen ÜBERHAUPT NICHT!“ , so die Sängerin. Nachdem ihre Kommentare allerdings solch einen Shitstorm nach sich gezogen hatten, löschte Zara all ihre Tweets wieder. 

„Tote Mädchen lügen nicht“ macht auf Mobbing aufmerksam

Mit der Ansicht, die Serie würde den Suizid romantisieren steht sie allerdings nicht alleine da, denn auch viele amerikanische Gesundheitsorganisationen sahen das so. Doch auch wenn Zara findet, die Serie würde eine geistige Erkrankung nicht richtig diskutieren, macht sie trotzdem auf aktuelle Probleme aufmerksam. Denn das Thema Cybermobbing und daraus resultierende Depressionen, die zu einem Selbstmord führen können, sind sehr real. Immer wieder kommt es vor, dass Jugendliche, die gemobbt werden, den einzigen Weg aus ihrer Lage im Selbstmord sehen. So wie beispielsweise der 13-jährige Daniel Fitzpatrick aus New York, der sich genau aus diesem Grund das Leben nahm.

Eine so große Diskussion kann also, auch wenn die Umsetzung vielleicht nicht für alle als perfekt erscheint, dennoch auf ein sensibles Thema aufmerksam machen. 

Gesundheitsexperten warnen vor "Tote Mädchen lügen nicht"

Die Serie handelt von Hannah Baker (Katherine Langford), die sich, da sie gemobbt wird, das Leben nimmt. Anschließend schickt sie ihrem Mitschüler Clay (Dylan Minnette) 13 Kassetten, die für 13 Personen bestimmt sind, die ihren Suizid mit verursacht haben. In den Folgen wird nicht nur das Thema Mobbing angesprochen, sondern allgemein Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und letzten Endes Selbstmord. Und genau im letzten Punkt sehen nun viele Experten eine Gefahr für Jugendliche.

Wie gefährlich ist Selena Gomez‘ Serie wirklich?

Das Problem sehen Organisationen, wie etwa die australische Gesundheitsorganisation „Headspace“  vor allem bei einer Szene: Achtung Spoiler! Und das ist die letzte Folge, in der sich Hannah das Leben nimmt. Erstens ist alles genau zu sehen und zweitens wird ihr Vorgehen auch noch einmal konkret beschrieben.

Laut dem Vorstand Steven Leicester „Headspace“ steigt die Suizidrate, wenn gefährdete Menschen solchen Eindrücken ausgesetzt sind. Darüber hinaus berichtete die Managerin Kirsten Douglas der Organisation, dass die nationalen Online- und Telefonberatungsstellen eine wachsende Zahl von Anrufen und E-Mails erhalten haben, die sich direkt auf die Serie bezogen hatten.

Und auch die Organisation „Save“ warnt vor einer Nachahmung des Ganzen, denn der „Werther-Effekt“, also ein Nachahmungseffekt ist bereits schon seit der Erscheinung des gleichnamigen Buches bekannt, in dem Selbstmord glorifiziert wurde.

Die Amerikanische Organisation zur Suizid-Vermeidung äußerte sich außerdem wie folgt dazu: „Das Selbstmordrisiko steigt, wenn eine Geschichte die Selbstmord-Methode ganz genau beschreibt, dramatische Überschriften oder Bilder verwendet, und wenn eine ausführliche Berichterstattung den Tod zu einer Sensation macht oder glamourös darstellt.“ All das soll laut vieler Gesundheitsorganisationen bei der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ der Fall sein.  Nun stellen sich aber die Fragen: Warum haben die Produzenten diese Selbstmord-Szenen so genau gezeigt? Und warum werden nicht mehr Hilfestellungen oder Vorschläge während der Serie gegeben, wie man sich aus einer so vermeintlich ausweglosen Situation befreien kann?

Produzenten äußern sich zur Selbstmord-Glamourisierung

Die Produzenten wehren sich gegen den Vorwurf, den Selbstmord als Heldentat und somit Hannah als Heldin zu zeigen. Erstens wird vor der Folge gewarnt, dass Hannahs Suizid gezeigt wird. Zweitens wollten sie es so realistisch wie möglich machen. Brian Yorkey, der auch der Schöpfer der Serie ist, äußerte sich wie folgt dazu: „Wir arbeiteten sehr hart daran, nichts willkürlich erscheinen zu lassen, aber wir wollten auch, dass es schmerzhaft anzusehen ist, damit deutlich wird, dass Selbstmord keine Lösung ist.“ Auch der  Autor des Buches Jay Asher, auf dem die Serie beruht, findet die Szene äußerst schmerzvoll und kein bisschen glamourös. Vor allem, wenn die Eltern ihre tote Tochter entdecken, sei einfach nur herzzerreißend.

Auch Mitproduzentin Selena Gomez war es wichtig, die Serie so realistisch wie möglich zu machen. Aber nicht, um die Selbstmordrate zu erhöhen, sondern vielmehr, um die Jugendlichen allgemein auf diese Problematik aufmerksam zu machen und sie für die angesprochenen Themen zu sensibilisieren. So sagt Sel laut „Clevver News“ dazu: „Leider kümmert die Kids heut zutage nichts mehr. Sie müssen daher etwas sehen, was sie ängstigt. Sie müssen etwas sehen, wovor sie sich fürchten. Ich wollte, dass sie es verstehen. Ich würde alles tun, damit ich die Generation positiv beeinflussen kann und ich kann selbst alles ganz genau selbst nachempfinden.“ Hier spielt Selena wohl auf ihren Klinikaufenthalt aus gesundheitlichen Gründen an, da sie unter Depressionen litt.

Die Intention der Serie ist definitiv eine Gute. Aber kann man den Produzenten wirklich vorwerfen, die Selbstmordrate in die Höhe zu treiben? Was denkt ihr? Findet ihr die Reaktionen übertrieben? Diskutiert hier mit!

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