Als Teenager schon operieren lassen?

Als Teenager schon operieren lassen?

Völlig in Ordnung oder noch viel zu früh?

© pixabay

Findest du dich schön? Die meisten Mädchen und jungen Frauen werden diese Frage verneinen. Es gibt immer ein paar Stellen am Körper, mit denen man nicht komplett zufrieden ist. Kein Wunder, schließlich haben wir auf YouTube und Instagram den ganzen Tag wahre Schönheiten vor Augen, mit denen wir uns automatisch vergleichen. Doch das Schönheitsempfinden macht am Gesicht nicht Halt, auch der Blick ins Höschen oder in den BH lässt so manches Mädchen erstarren. Die Vagina erscheint zu groß, zu faltig, die Schamlippen als nicht richtig geformt. Die Brust ist zu klein, zu groß, hängt vermeintlich herunter oder es unterscheidet sich eine von der anderen. Was tun?

In den USA unterziehen sich immer mehr junge Mädchen einer ästhetischen Brust- oder Genitaloperation. 2010 waren es bereits 4600 Mädchen zwischen 13 und 19 Jahren, die sich die Brust verkleinern ließen. In Deutschland dürfen Patientinnen übrigens erst ab einem Alter von 18 Jahren eine Brustverkleinerung bzw. Bruststraffung durchführen lassen.

Noch größer war jedoch die Zahl derjenigen Teenager, die sich die Brust vergrößern lassen wollten. Hierfür legten sich 2013 mehr als 8200 Mädchen unters Messer.

Bedenklich ist hierbei, dass die Entwicklung des Körpers in diesem Alter noch gar nicht abgeschlossen ist. Das Wachstum der Brust dauert rund vier Jahre, doch es kann sich natürlich auch länger hinziehen. Auch die Schamlippen verändern sich im Lauf der Zeit. Ihre individuelle Form sollte kein Grund sein, sich unattraktiv zu fühlen. Denn jede Vagina sieht anders aus und ist individuell wie ein Fingerabdruck. 

Natürlich gibt es Fälle, in denen eine medizinische Indikation vorliegt und eine Operation aus gesundheitlichen Gründen unumgänglich ist. Das ist jedoch sehr selten der Fall, vor allem, wenn man es in Relation zur subjektiven Unzufriedenheit vieler Mädchen stellt. Hier kann es helfen, die Gründe für diese Unzufriedenheit aufzuspüren!

1. Wir haben ständig augenscheinlich „perfekte“ Körper vor Augen. Die Sache ist jedoch, dass es diese Körper gar nicht gibt. Die Bilder von Models werden mit Photoshop bearbeitet, teilweise bis Proportionen entstehen, die völlig unrealistisch sind. Diese Bilder sind jedoch nicht als Fiktion gekennzeichnet, sondern zeigen eine scheinbare Realität. Auch wenn wir wissen, dass sie nicht echt sind, beeinflussen sie uns doch. Wir speichern die Bilder im Inneren ab und vergleichen uns unbewusst selbst damit. 

2. Die Vagina steht viel mehr im Mittelpunkt, seit sich die Intimrasur in Deutschland als Standard durchgesetzt hat. Dadurch wird sichtbar, was vorher verborgen war. Dabei gibt es mindestens vier Arten von Vaginas, die alle gleich schön sind! 

Diese Arten von Vaginas gibt es (mindestens):

- Ms Barbie

Hierbei sitzen die äußeren Schamlippen genau in der Mitte und umschließen die kleinen perfekt. Diese Form kommt sehr selten vor, ist aber dennoch das Idealbild. Wunsch trifft auf Realität!

- Ms Curtains

Hier sind die inneren Schamlippen etwas größer und lugen frech hervor. 

 - Ms Puffs

Sie ist ebenfalls symmetrisch, steht aber etwas weiter hervor.

 - Ms Tulip

Sie ist wie eine kleine Tulpe, denn die äußeren Schamlippen sind etwas geöffnet, sodass die inneren zu sehen sind.

Hab deine Vagina lieb, denn du hast nur diese eine, und sie ist perfekt, so wie sie ist!

3. Wir machen täglich viele Selfies und wollen dabei so hübsch wie möglich aussehen. Wann hast du das letzte Mal ein wirklich realistisches Bild von dir gepostet, auf dem man deine Augenringe, ein Doppelkinn, einen müden Gesichtsausdruck gesehen hat? Siehst du. Natürlich wissen wir, wie lange wir uns selbst schminken und zurecht machen, bevor wir ein Bild schießen, und dennoch vergleichen wir uns mit den Bildern von anderen. Makellose Haut, laaaange Wimpern, volle Lippen, glänzende Haare…niemand von uns sieht ständig so aus. Dennoch verursachen wir uns (unabsichtlich) gegenseitig Komplexe! 

4. Das äußere Erscheinungsbild ist bei uns in den westlichen Ländern sehr viel wichtiger geworden. Wir sollen uns eine Identität zulegen, etwas, das uns deutlich von den anderen unterscheidet. Früher ist das meist durch den gesellschaftlichen Stand und den Beruf erfolgt. Doch wir bleiben häufig nicht unser ganzes Leben bei einem Beruf, wie soll er dann unsere Identität bestimmen? Also benutzen wir unseren Körper, um unsere Persönlichkeit über ihn auszudrücken. Wir modifizieren ihn durch Sport, Tattoos und Piercings, wir färben uns die Haare und die Nägel und erzeugen dadurch ein bestimmtes Bild nach außen. Doch was ist mit unserem Inneren? Es ist sicherlich kein Zufall, wenn mit der wachsenden Wichtigkeit der Schönheit auch die psychischen Krankheiten und Essstörungen zunehmen. 


5. Gerade für Mädchen und Frauen sind die Regeln sehr streng, was die körperliche Schönheit betrifft. Sie beziehen sich meist auf den ganzen Köper, während Jungs sich weniger Ansprüchen beugen müssen. So gelten Männer mit grauen Schläfen als sexy, während es Frauen erst langsam okay ist, graue Haare zu haben. Dennoch müssen auch Jungs einem bestimmten Idealbild entsprechen und fühlen sich hier immer stärker unter Druck. Glattrasiert, muskulös, mit einem dichten Bartwuchs und vollem Haar…so viele speziell männliche Schönheitsprodukte gab es noch nie!

Schönheit macht erfolgreich und glücklich?

Warum wollen wir eigentlich schön sein? Wir wünschen uns natürlich, dass wir dadurch unsere Chancen auf einen guten Partner vergrößern. Zudem erhoffen wir uns auch im Berufsleben mehr Möglichkeiten und Erfolge. Und gerade im Beruf stimmt es tatsächlich: Ein besseres Aussehen bedeutet mehr Chancen, ein höheres Gehalt, eine steilere Karriere. 

Wir vergleichen uns ständig mit anderen und wollen gut abschneiden. Dennoch darf man eines nicht vergessen: Alles das wird uns nicht glücklich machen. Wer dem persönlichen Wohlbefinden auf diese Weise nachjagt, hat schon verloren. Denn es gibt immer noch etwas mehr zu optimieren, zu verschönern, zu perfektionieren. 

Wirklich glücklich ist am Ende nur, wer ein gutes Körpergefühl haben kann. Das bedeutet, seinen Körper so zu lieben, wie er ist, und ihn für die vielen tollen Dinge wertzuschätzen, die wir mit ihm machen können. Mit ihm sind wir am Leben!

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