Männerdomänen erobern – Paradebeispiele

Männerdomänen erobern – Paradebeispiele

„Such dir was anderes, Kleines, das ist ein typischer Männerjob!“ „So ein Quatsch“, sagen wir! In diesem Artikel zeigen wir dir an fünf Beispielen, warum es so etwas wie Männerdomänen gar nicht gibt und es oft die Frauen sind, die in genau solchen Jobs den Männern zeigen, wo es langgeht.

© Photo by ASMA BUTT on Unsplash

Wer von euch hat es nicht schon einmal gehört: „Das ist ein Männerjob oder eine Männerdomäne.“ oder: „Wenn du da anfängst zu arbeiten, werden dich deine Kollegen nicht ernst nehmen.“ Solche Aussagen sollten am Besten in den 50er Jahren bleiben und haben bei uns im 21. Jahrhundert überhaupt nichts zu suchen. Trotzdem ist der Anteil der Frauen in sogenannten Männerdomänen noch immer sehr gering und sinkt aktuell sogar noch. Wir zeigen euch fünf Beispiele, die deutlich machen, dass Frauen sehr wohl auch in solchen Berufen überzeugen und erfolgreich werden können.

Marie Lang

Für die im nordrhein-westfälischen Bünde geborene Marie Lang war das Kickboxen seit ihrer Jugend hauptsächlich Spaß und ein Mittel, mit dem sie sich fit halten wollte. Ihr Trainer war es, der sie schließlich darauf aufmerksam machte, sich professioneller auf die Sportart zu konzentrieren und schnell boxte sie vor großem Publikum. Mittlerweile ist sie nicht nur Weltmeisterin im Kickboxen, sondern konnte ihren Titel auch so oft in Folge verteidigen, wie noch keine andere Kickboxerin zuvor – Weltrekord.

Anders als viele ihrer männlichen Kollegen hat sie es zudem auch noch geschafft, neben dem Boxen ein Studium abzuschließen, somit ist sie seit 2011 abgeschlossene Diplom-Modedesignerin und arbeitet in München. Zugleich unterstützt sie viele unterschiedliche soziale Sport- und Bildungsprojekte. Marie hat in einem Bereich, in dem leider noch immer fast nur Männer ihre Kräfte zeigen, unter Beweis gestellt, dass dort Frauen erfolgreicher sein können als viele Männer.

Liv Boeree

Iron Maiden, wie ihr ehrfurchtsvoller Spitzname lautet, könnte ebenfalls ein Name aus der Box-Sportwelt sein, allerdings hat sich Liv Boeree einen ganz anderen Zweig ausgesucht, den sie mit ihren außergewöhnlichen Talenten dominiert: Das professionelle Pokerspiel. Wie auch Marie Lang und viele weitere Frauen hat sich Liv gleichzeitig in mehreren Bereichen durchgesetzt. In ihrem Fall sind es sogar zwei Bereiche, in denen Männer häufiger anzutreffen sind.

Neben dem Poker besitzt die natürliche Schönheit aus Kent in England nämlich auch ein abgeschlossenes Astrophysik-Studium. Im Poker ist sie eine der erfolgreichsten Spielerinnen aller Zeiten. Heute arbeitet sie vorwiegend als Spielerin, aber auch als Model und Moderatorin ist sie begehrt. Erst letztes Jahr hat sie ein in der Pokerwelt heißbegehrtes sogenanntes Bracelet gewonnen – etwas wonach sich viele männliche Pokerspieler ein Leben lang sehnen. Besonders positiv im Poker: Frauen und Männer treten nicht getrennt gegeneinander an und so kann man im direkten Vergleich sehr gut beobachten, wie Liv auch ihre männlichen Kollegen mit Leichtigkeit aus dem Spiel befördert: eine richtige Power-Frau.

Vigdís Finnbogadóttir

In kaum einem anderen Berufszweig findet man weltweit so wenige Frauen wie in der Politik. Unfassbar ist es da, dass es bis zum Jahr 1980 gedauert hat, bis die erste Frau zum Staatsoberhaupt eines Landes gewählt wurde. Ihr Name ist Vigdís Finnbogadóttir und sie war 16 Jahre lang Präsidentin von Island, einem Land, welches generell sehr weit fortgeschritten ist, wenn es um Gleichberechtigung und Chancengleichheit geht.

Gerade hier kennt man die Qualität von Frauen in Führungspositionen besonders gut, denn in der Fischerei, die für Island schon immer eine prägende Bedeutung hatte, waren die Männer früher oft lange unterwegs und die Frauen übernahmen die organisatorischen Aufgaben in der Heimat. Bei ihrer zweiten Wiederwahl gewann Vigdís mit über 90% der Stimmen und wurde schließlich nicht abgewählt, sondern stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl. Sie gilt bis heute als die bedeutendste Person in Island seit der Gründung der Republik 1944.

Ada Lovelace

Dass Frauen auch Bereiche komplett begründen können, in denen heute hauptsächlich Männer beschäftigt sind, zeigt das Beispiel von Ada Lovelace. Sie lebte zwischen 1815 und 1852 im Vereinigten Königreich und gilt heute als erste Person weltweit, die ein komplexes Computerprogramm schrieb. Ada war Mathematikerin und setzte sich schon damals aktiv und mutig gegen ihre männlichen Kollegen und die veralteten Konventionen durch.

Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Mann, der sich für sie in die Royal Society aufnehmen ließ, in der Frauen nicht erlaubt waren. Dort sammelte er für sie Informationen und schrieb Artikel ab, die ihr halfen. Vor allen Männern warf Ada Fragen der Informatik und Philosophie auf, die noch heute stark diskutiert werden, besonders im Zusammenhang mit der eigenen Denkfähigkeit von Computern.

Claudia Neumann

Erst im vergangenen Sommer wurde daraus, dass die ZDF-Sport-Reporterin Claudia Neumann als offizielle Kommentatorin der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland eingesetzt wurde, fast eine Staatsaffäre. Nicht nur hatten viele nicht-ausgelastete Fußballfans etwas dagegen, dass sie die WM moderierte, ihr schlug sogar eine riesige Welle an widerlichen Hassbotschaften aus dem Internet entgegen.

Schnell stellte sich das ZDF auf ihre Seite und stellte vereinzelt Strafanzeigen. Das Ganze zeigt sehr gut, dass es noch immer Bereiche in der Gesellschaft gibt, in denen vermittelt werden muss, dass Frauen genauso wie Männer in der Lage sind, hervorragende Leistungen zu vollbringen und manchmal sogar bestimmte Vorzüge haben, die Männern einfach fehlen. Wir sind zumindest froh, dass Claudia Neumann sich von diesen unsinnigen Hassnachrichten nichts angenommen hat.

Lade weitere Inhalte ...