FAQ Frag Gabi

Freund und Familie sind nicht unter einen Hut zu kriegen

Hallo,


ich bin seit drei Monaten mit meinem Freund zusammen, er ist 23 und somit 6 Jahre älter als ich. Ich habe meiner Mutter erstmal nicht erzählt, dass ich mit ihm zusammen bin. Sie kannte ihn vorher nicht wirklich und wusste nur dass er in meinem Freundeskreis ist. Generell habe ich zu meiner Mutter eine enge Beziehung gehabt, hab mit ihr allerdings über Sachen Liebe nie gesprochen. Ich wusste außerdem, dass sie nicht begeistert sein würde, wenn ich mit 17 einen Freund hab, weil sie meint, dass ich mich auf die Schule konzentrieren muss und es noch nicht die Zeit für eine Beziehung ist und ich außerdem nicht schwanger werden sollte. Deswegen habe ich beschlossen, ihr erstmal nichts zu erzählen und mein Freund und ich hatten vor, dass sie ihn langsam kennenlernt und dann erfährt, dass wir zusammen sind. Das ist leider nach hinten losgegangen. An einem Formationsturnier, an dem unsere Mannschaft teilgenommen hat, waren sowohl meine Mum als auch seine Eltern da. Seine Eltern wussten, dass er eine Freundin hat und kannten zufällig eine Bekannte meiner Mutter, die auch auf dem Turnier war. Dadurch haben sie rausgefunden, wer meine Mutter ist und haben angefangen über die Beziehung zu reden, von der meine Mutter ja gar nichts wusste. Ich kann gut nachvollziehen, dass es für sie eine sehr unangenehme Situation war, aber das alles entwickelte sich zu einem Riesendrama. Sie sprach danach mit mir und war ziemlich enttäuscht und verletzt. Sie warf mir vor, gelogen zu haben und hörte mir nicht zu als ich sagte, dass ich mir einfach Zeit lassen wollte, bevor ich sie mit einbezog. Sie versuchte zuerst mir zu verbieten, mit ihm zusammen zu sein, ich weigerte mich jedoch. Ich habe mich mehrmals entschuldigt und versucht, ihr zu zeigen, dass ich sie ab dem Zeitpunkt mehr in mein Leben einbeziehen werde. Eine Woche später hat dann auch mein Freund mit ihr geredet und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir zusammen bleiben, es aber langsam angehen lassen. Mit der Zeit entwickelte sich das aber zu einer zu großen Kontrolle. Wir musste immer genau sagen, wohin wir gehen, wer dabei ist, was wir machen werden usw. Spontan durfte nichts geschehen, selbst wenn es sich um meine Freizeit handelte und ich nichts anderes vorhatte. Natürlich verstehe ich, dass ich minderjährig bin, komme aber trotzdem nicht mit dieser strengen Kontrolle klar. Ich unternehme nichts schlimmes mit meinem Freund und er ist einfach anders als sie, weshalb deutlich mehr spontan passiert. Jedes mal, wenn dann nicht jede Einzelheit erzählt wurde oder es Missverständnisse gab, wurde mir vorgeworfen zu lügen und respektlos zu sein. Ich verstehe, dass meine Mutter sich Sorgen um nicht macht, kann aber nicht weiter so kontrolliert werden. Ich möchte wenigstens ein bisschen Privatsphäre und Freiheit.

Hinzu kommt auch, dass sie meinen Freund nicht mag. Sie erwartet sehr viel von ihm, ihr ist egal, dass er eigentlich mir gefallen muss und nicht ihr und dass er mich sehr glücklich macht. Irgendwann ist die Situation dann eskaliert und meine Mutter hat gesagt, ich soll tun, was ich will, sie will aber nichts mehr damit zu tun haben. Sie redet nicht mehr mit mir und hört mir nicht zu, sondern denkt sich Geschichten aus in denen ich lüge und sie mir komplett egal ist und ist danach beleidigt. Wir finden bei unseren Diskussionen keinen Kompromiss und haben beide das Gefühl nicht verstanden zu werden. Mein Freund versucht zu helfen, aber im Moment möchte ich noch nicht, dass er mit ihr diskutiert, weil sie ihn nicht mag und ihn nicht als jemanden sieht, der eine Lösung finden will, sondern wie jemanden, der sie nicht respektiert. Ich werde vor die Entscheidung gestellt- mein Freund oder meine Mutter? Und ich kann und will mich nicht entscheiden, vor allem weil ich nicht verstehe, warum. Er tut mir nichts schlechtes, ich bin glücklich mit ihm, seine Familie mag mich sehr und wir wollen eine möglichst normale Beziehung führen, ohne so extrem kontrolliert zu werden. Wir können so nicht weitermachen und leiden beide darunter, weil egal, wie wir uns bemühen, es wird trotzdem etwas nicht passen und ein Drama draus gemacht. Meine Frage ist nun, ob ich mich entscheiden soll oder wie ich versuchen kann, beide möglichst zufrieden zu stellen und ein Kompromiss zu finden.


Reden hat leider bisher kaum etwas gebracht.

Gabis Antwort

Frag Gabi Portrait

Hi meine Liebe,
 
danke für deine Mail und dein Vertrauen.
 
Ich kann die Zwickmühle, in der du steckst, mehr als gut verstehen. Aber nein, du musst dich auf gar keinen Fall entscheiden. Was du mit deiner Mutter erlebst, gehört zu deinem Prozess, erwachsen zu werden, und zu ihrem Prozess, dich ein Stück weit loszulassen. Weißt du, gerade weil du und deine Mama euch gut versteht, tut sie sich schwer damit, dich ziehen zu lassen. Als Mutter fühlt man sich immer verantwortlich und glaubt zu wissen, was "das Beste" für das eigene Kind ist. Dass man damit manchmal falsch liegt und dann maßlos übertreibt, merkt man oft nicht. Ich bin selbst Mutter einer Tochter und kenne diese schwierigen Phasen.
 
Deine Mutter kann unendlich stolz auf dich und auch auf sich selbst sei. Sie hat dich gut erzogen! Dass du so liebevoll und sensibel bist, hast du ihr zu verdanken. Alleine die Tatsache, dass du mir geschrieben hast, beweist, wie wichtig dir deine Mutter ist.
 
Gleichzeitig ist es nicht deine Aufgabe, ihr zu beweisen, dass du ein guter Mensch bist. Gut, die Art, wie sie von deinem Freund erfahren hat, war ungut. Keine Frage. Aber es ist eben so gelaufen. Zeit, damit abzuschließen.
Deine Mutter muss lernen, dass du mit 17 Jahren zwar noch minderjährig bist, aber eben schon deine eigenen Entscheidungen triffst. Das fällt ihr schwer und deswegen ist der Kampf zwischen euch gerade so hart. Das Problem an Kontrolle ist ja, dass sie allen Parteien weh tut: Dich nervt sie, weil du dich eingeschränkt fühlst. Aber auch für deine Mutter ist es schwer, weil die Kontrolle zu behalten und zu verteidigen unglaublich anstrengend ist. So wird sie mehr und mehr in die Rolle der bösen Mama gedrängt – und glaub mir, das ist eine Rolle, die keine Mutter haben möchte.
 
Es gibt nicht diesen einen Zaubersatz, den du zu deiner Mutter sagen kannst, um sie milde zu stimmen. Aber du kannst einmal versuchen, aus dem bisherigen Spiel auszusteigen. Versuche nicht mehr, sie davon zu überzeugen, dass du ehrlich bist und dein Freund ein toller Mensch ist. Es ist in Ordnung, wenn sie eure Beziehung nicht gutheißt; lass ihr diesen Freiraum, so sehr es dir weh tut. Du wirst ihr weiterhin sagen müssen, wo du wann mit wem bist – das ist leider Teil des Deals, solange du noch nicht volljährig bist. Aber sag ihr ganz offen: "Mama, es ist in Ordnung, wenn du meine Beziehung doof findest. Ich werde sie trotzdem weiterführen und genießen."
Wenn es hilft: Schlag ihr vor, einmal in der Woche einen Mädels-Abend zu machen. Dann habt ihr Zeit für euch und könnt euch wieder annähern. Gleichzeitig könntest du – zumindest für die erste Zeit – Regeln mit ihr vereinbaren, an die ihr euch beide halten müsst. Zum Beispiel: Sobald deine Hausaufgaben erledigt sind, kannst du mit deiner Freizeit machen, was du willst. Es stimmt zwar, dass du minderjährig bist und sie die Verantwortung hat. Das heißt ja aber nicht, dass sie dich daheim einsperren muss. Feste Regeln und Abmachungen könnten euch helfen. Überleg dir, was du mit ausdealen kannst.
 
Deinen Freund würde ich aus diesem Streit raushalten. Es wird nichts bringen, wenn er mit deiner Mutter redet. Du bist ihr Kind, ihr beide solltet das unter euch ausmachen. Je mehr Leute in den Streit gezogen werden, desto eher hat deine Mutter das Gefühl, alleine gegen eine Armee anzukämpfen – das würde sie nur noch unflexibler machen.
 
Alles Liebe, Gabi

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