FAQ Frag Gabi

Ich suche einen Ausweg!

Zuerst möchte ich dir danken, dass du den Mädchen hier bei allen Problemen so toll hilfst!Ich möchte mich jetzt nicht hier ausheulen, sondern einfach nur mal mit IRGENDJEMANDEM reden. Ich will keinen nerven oder langweilen, ich will nur einen Ausweg finden. Ich schaue nicht zurück, nur nach vorne. Nur im Moment sehe ich gar nichts. Kein Ziel, keine Richtung, kein Weg. Ich wünschte, es gäbe ein Wegweiser, der mir blinkend anzeigt: Dahin! Dahin musst du gehen! Aber das ist nur Wunschdenken, es gehört wohl zum Erwachsenwerden und -sein, seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn man manchmal lange danach suchen muss. Ich dachte immer, ich hätte meinen Weg schon gefunden...Es fängt schon in der Schule an. Ich besuche ein Gymnasium und habe schon immer sehr gute Noten geschrieben. Ich bin wirklich nicht besonders hochintelligent oder so und auch kein Genie, ich habe nur viel zu viel Ehrgeiz. Ich habe das Gefühl, alles perfekt machen zu müssen. Ich brauche meine Noten. Nicht, um Bewunderung oder Preise zu bekommen. Nicht für die Zukunft. Ich brauche meinen Noten, um mich selbst zu ertragen. Klingt hart und melodramatisch, ist aber so. Ohne meine Noten bin ich wertlos, ein Nichts! Ich bin weder besonders hübsch, noch besonders beliebt, nicht besonders cool und nicht besonders anderweitig begabt. Für mich sind meine Noten ein Beweis. Gute Noten=Ich kann was=Ich bin was wert=ich lebe. Ganz einfach. Das geht so weit, dass ich total verkrampft bin. Am Mi haben wir die 1.Mathearbeit geschrieben. Mathe ist mein Problemfach. Ich hatte so schreckliche Panik, die mich gelähmt hat, mir krampfhafte Bauchschmerzen, tagelang, verursacht hat. Ich habe Tage vorher nicht schlafen können. Sie ist nicht besonders gut gelaufen. Jetzt kann ich nicht aufhören, darüber nachzudenken. Ich halte mich für eine Versagerin, wenn ich eine 3 oder eine 4 bekäme. Ich denke oft an Nichts, nur ans Perfektsein. Ich verachte mich selbst dafür, frage mich, wie mich andere ertragen. Ich denke, andere zu enttäuschen, versuche, ihre Erwartungen zu erfüllen. Und ich habe täglich Angst. Vor der Schule, vor anderen, andere zu enttäuschen, vorm Versagen und vorm Alleinsein. Ich komme fast jeden Tag von der Schule und gehe erst mal in mein Zimmer und weine, oft stundenlang. Ich will die Beste sein und fühle mich furchtbar, wenn ich es nicht bin. Und ich weiß, dass ich mich grässlich verhalte. Streberhaft, nervig. Aber ich KANN NICHT anders!!! Oft denke ich, dass niemand mich mag. Ich bin total unsicher, ziehe mich immer mehr zurück. Ich denke, egal was ich tue oder sage, richtig ist es nie. In meiner Klasse ist es Horror. Da ist ein Junge, der auch gut in der Schule ist, so was wie meine Konkurrenz. Er tyrannisiert mich ständig, nennt mich "fett" (dabei bin ich nicht mehr fett, ich wiege bei 1,66m 46kg!), "hässlich", "Opfer", "Schlampe", "Nutte", u.v.m. Und alle Jungs auch! Er fing an und alle machen es ihm nach! Ständig hagelt es dumme Sprüche u hämische Bemerkungen. Ich hab alles versucht. Mich zu wehren (wenn ich will, kann ich nämlich schlagfertig sein. oder zumindest konnte ich es), ihn zu ignorieren, vernünftig zu reden.. NICHTS!!! Ich sehne mich nach einem anderen Leben. Ich träume viel, manchmal von der Zukunft, manchmal von Moon und Felicia. Das sind Fantasiefiguren, die ich mir ausgedacht habe. Sie leben in den Welten meiner Lieblingsfilme. Ich habe mir meine eigene, perfekte Traumwelt geschaffen. in der alles so läuft, wie ich es will. In ihr habe ich die Kontrolle. Das fühlt sich so gut an. Da sind Leute, die mich lieben und so akzeptieren, wie ich bin. Dort bin ich perfekt. Fast, zumindest. Ich selbst will gar nicht perfekt sein, denn mit perfekten Menschen will keiner etwas zu tun haben. Ich möchte das auch nicht. Ich will mich nur selbst lieben und mögen! Ein Bekannter hat vor Kurzem zu mir gesagt: "Du magst dich nicht, oder?" Ich habe eine einsilbige Antwort gegeben, aber er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich will das nicht mehr. Das Weinen, die graue Farbe, der enorme Druck. Ich will einfach mal glücklich sein! Aber es hilft nichts, zu sagen, dann sieh die Schule doch mal lockerer. Das kann ich nicht! Ich fühle mich dabei dann besch...en. Ich verabscheue mich dann. Ohne meine Noten bin ich NICHTS mehr wert. Ich ritze mich auch. Es tut so weh und sooo gut. Wenn ich das Blut sehe, dann weiß ich, dass ich lebe. Dass ich existiere. Früher dachte ich immer, wie krank kann man sein, sich selbst zu verletzen und habe nicht verstanden, wieso man das auch nur einmal machen kann. Jetzt weiß ich es. Es ist eine Möglichkeit, sich selbst daran zu erinnern, dass man lebt. Danke, dass du diesen ellenlangen Brief gelesen hast. Allein das bedeutet mir viel. Danke! Du magst vielleicht sagen, ich übertreibe oder bin eine kleine verwöhnte Prinzessin, die sich mit ihren klitzekleinen Problemen herumschlägt. Aber das ist nicht wahr. Ich fühle mich furchtbar u so kann es nicht weitergehen. Ich will raus aus diesem Loch, ich suche einen Wegweiser. Ich schaue nicht zurück. Und ich bin eine Kämpferin. Denn es gibt Dinge, für die es sich zu Kämpfen lohnt. Und nur wer aufgibt, hat schon verloren. Ich brauche nur Hilfe dabei! Also bitte...Hilf mir! von Felicia33 /

Gabis Antwort

Frag Gabi Portrait

Hallo meine Liebe,danke für deine Mail, ich habe sie bestimmt drei Mal gelesen und war und bin tief berührt! Du bist in der Tat ein sehr kluges Mädchen, das sich haarscharf beobachtet und analysiert. Deine Erzählung von deinen Noten, deinem Ehrgeiz hat in mir eine fast unerträgliche Spannung hervorgerufen und ich dachte: Wenn ich als Außenstehende beim Lesen schon so reagiere, wie mag es diesem Mädchen, das diese Zeilen schreibt, ergehen? Diesem enormen Druck hält niemand stand, das ist mir klar. Da ist Ritzen absolut ein Ventil! Aber du weißt bestimmt selbst sehr gut, dass Ritzen eine Sucht ist. Um mit dieser Sucht klarzukommen (ich will gar nicht von Heilung sprechen) braucht es Fachleute. Ich kann dir nur den Tipp geben, dir mal die Seite im Internet www.rotelinien.de anzuschauen. Da gibt es viele wertvolle Tipps - und du kannst sehen, dass deine Sucht weit verbreitet ist, du bist damit nicht allein. Ich bitte dich herzlich, dich um dich und dein Wohlergehen zu kümmern. Such deinen Weg zuerst einmal raus aus der Sucht - dann wirst du weitersehen können.Dir von Herzen alles LiebeGabi

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