Nach dem Tod des Vaters: Wie tröste ich meine Freundin an ihrem Geburtstag?

Hallo Mona,

ich bin Aneta und 12 Jahre alt. Ich möchte dich fragen, wie ich meine beste Freundin trösten kann. Ihr Vater ist vor zwei Jahren genau an ihrem Geburtstag gestorben und sie wird jedes Jahr aufs Neue daran erinnert. Sie freut sich gar nicht mehr auf ihren Geburtstag. Bald ist es wieder soweit und ich möchte ihr beistehen, sie unterstützen und trösten. Aber das Problem ist, dass ich nicht so genau weiß, wie. Ich hoffe, du kannst mir helfen.

Liebe Grüße

von Aneta

Monas Antwort

Frag Mona Portrait

Hallo liebe Aneta,

du bist wirklich eine tolle, einfühlsame Freundin – und du hast Recht: Ihr Geburtstag wird sich für deine Freundin nie wieder so anfühlen wie vor dem Tod ihres Vaters.

Trauer kommt in Schüben

Trauer ist im Hintergrund immer da, nur an manchen Tagen spüren wir sie intensiver als an anderen. Für viele Menschen sind große Anlässe schwer: Geburtstage, Weihnachten, Silvester, Vater- oder Muttertag… Jeder besondere Anlass bringt einen neuen Trauerschub mit sich. Dass deine Freundin ihren Vater an ihrem Geburtstag verloren hat, liegt wie ein Schatten über diesem Tag. Und natürlich wiegt der Verlust momentan viel mehr als die Freude darüber, ein Jahr älter zu werden.

Ich finde dich klasse, weil du deiner Freundin beistehen willst. Du willst ihr nicht ausreden, um ihren Vater zu trauern, sondern sie dabei unterstützen.

Hand in Hand durch die Trauer

In ihrer Trauer für deine Freundin da zu sein, kann ganz unterschiedlich aussehen. Es kommt darauf an, was deine Freundin braucht. Frag sie!

Vielleicht will sie sich an diesem Tag einfach nur verkriechen – dann reicht es, wenn du ihr Nachrichten schreibst und sie wissen lässt, dass du an sie denkst. Wichtig ist, ihr zu sagen, dass sie nicht antworten muss. Du bist einfach aus der Ferne für sie da. Vielleicht ist ihr aber auch nach Ablenkung zumute – dann unternimm etwas mit ihr, lacht gemeinsam, albert herum. Oder vielleicht möchte sie über ihren Vater reden? Stell Fragen, hör ihr zu, erinnere dich gemeinsam mit ihr an ihren Papa, zündet eine Kerze für ihn an.

Einfach da sein

Du hilfst deiner Freundin, wenn sie bei dir traurig sein darf. Du musst auch keine beruhigenden Sprüche parat haben. Es ist okay, wenn du einfach nur bei ihr bist und dir anhörst, was sie zu sagen hat, oder mit ihr schweigst. Sei da, halte ihre Hand und ja, sag ihr ruhig auch mal, wie scheiße das alles ist. Sie hat ihren Vater verloren und das ist richtig scheiße. Sie darf wütend und traurig sein.

Trauer nicht kleinreden

Wir neigen dazu, Menschen, die trauern, ihren Schmerz ausreden zu wollen. Dann kommen so Sätze wie "Ja, aber sei doch froh, dass du deinen Papa überhaupt hattest" oder "Erinnere dich lieber an die guten Zeiten". Und klar, diese Sätze sind gut gemeint. Aber sie helfen nicht. Sie hinterlassen eher das Gefühl, dass Trauer etwas Schlechtes ist. Dass man kein Recht habe, zu trauern, weil man ja doch dankbar für die gemeinsame Zeit sein muss. Dabei ist es okay, zu trauern – es ist wichtig, zu weinen, den Schmerz zu spüren und ihn nicht krampfhaft zu etwas Gutem machen zu müssen.

Alles Liebe, Mona

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