• Sexualbegleitung: Wie haben Behinderte eigentlich Sex?

    Pia Hoffmann ist Sexualbegleiterin aus Leidenschaft. Darum ist Sex mit Behinderten längst kein Tabu-Thema mehr ist.

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Sexualbegleitung: Wie haben Behinderte eigentlich Sex?

Pia Hoffmann ist Sexualbegleiterin aus Leidenschaft. Du findest, das ist ein ungewöhnlicher Beruf? Wir erklären, warum Sex mit Behinderten längst kein Tabu-Thema mehr ist.

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Sexualbegleitung, das ist Hilfe für behinderte Menschen mit Berührungsängsten. Natürlich haben auch 

Offen über Probleme reden, das kann helfen – und zwar in jedem Lebensbereich. Auch beim Thema Sex. Körpernähe als Tor zu Körper und Seele. Wir haben Sexualbegleiterin und -betreuerin Pia getroffen und spannendes erfahren. 
Pia, „die Erfahrene mit vielseitigen Kompetenzen.“ So steht es auf ihrem Online-Profil des Instituts zur Selbstbestimmung Behinderter.
Denn sie ist mehr als nur eine professionelle Sexualbegleiterin bei der Ratsuchende sexuelle Annäherung erleben. Sie gibt Erotik-Workshops und ist eine wahre Tantra-Meisterin. Wir konnten Pia treffen und mehr über ihren Job und das Thema Sex als Bedürfnis erfahren. 

Warum kommen die Leute zu Dir?

In den meisten Fällen liegt eine Behinderung zu Grunde. Diese Menschen möchten etwas über Sexualität lernen und ihr Leben verschönern. Die Gründe sind so vielfältig wie der Mensch, der kommt. Manche Leute haben Angst, eine Partnerschaft einzugehen, weil es ihnen an Erfahrung fehlt. Andere, weil sie schon eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Manche Leute sind auch nicht von Geburt an behindert und wissen jetzt mit der neuen Situation sexuell nicht umzugehen. 

Geistig oder körperlich?

Beides. Psychisch als auch physisch. Aber auch Leute, die schon etwas älter sind und noch nie sexuellen Kontakt mit dem anderen Geschlecht hatten.

Wie alt sind die Leute, die zu Dir kommen?

Ab Mitte 20 aufwärts. 

Was sagst Du zu Menschen, die Deinen Job abstoßend oder zum mindest sehr ungewöhnlich finden?

Ja, klar ist das kein gewöhnlicher Job. Mir ist es aber recht egal, was andere Leute über mich und meinen Job denken und sagen, denn sie wissen oft gar nicht was "Sexual-Begleitung" überhaupt ist. 

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Workshop: Bodypainting

Was suchen die Menschen genau bei Dir? Berührung oder Gespräche?

Das ist ganz unterschiedlich. Es hängt immer davon ab, in welchem Prozess, in welcher Lebenssituation, der- oder diejenige steckt. Ich unterstütze die Leute so sehr ich kann – alles natürlich auftragsbasiert. Ich biete in erster Linie Erfahrungen mit Sex an, für behinderte Menschen, denen diese komplett fehlt. Ich möchte ihnen Helfen, sich selbst zu helfen. Schlussendlich bleibt die Verantwortung für das Glück und die Lust bei den Menschen selbst. Ich gebe ihnen nur die Möglichkeit, das andere Geschlecht und auch sich selbst besser kennenzulernen. 

Wie wichtig sind Berührungen für den Menschen? 

Berührungen sind eine Art Bedürfnis. Bei mir lernen sie diese zuzulassen und Blockaden zu lösen. Ich biete niemanden Sex an, wie er oder sie es gerade will. Wir gehen aufeinander ein und überlegen, was der Mensch, der zu mir kommt, gerade braucht. Man kann sich durch die Sitzung kein Recht auf einen bestimmten Sex-Akt kaufen. 

Wie wichtig ist Sex für den Menschen? 

Sex ist ein unverzichtbarer Quell unseres Lebens. Es ist ein entscheidender Teil, der zur Qualität beiträgt. 

Wo finden die Patienten-Sitzungen statt?

Die Treffen finden bei mir in der Praxis statt. Das ist aber nicht die Regel. Andere Sexualbegleiter fahren auch zu ihren „Patienten“ nach Hause.

Unterstützen Krankenkassen die „Behandlung“?

Leider werden die Sitzungen nicht staatlich übernommen. Fördervereine gibt es auch noch nicht. 

Wie viele Leute betreust Du in Deiner Praxis?

Ein bis drei Personen die Woche. 

Wie lange dauert eine Sitzung? Und wie oft?

60 bis 90 Minuten in etwa. Manchmal kommen die Leute auch nur einmal. Ich löse sozusagen den Knotenpunkt und dann reicht das erstmal. Der Durchschnitt liegt bei einmal im Quartal.  

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Sexualbegleitung: Berührung zur Lösung innerer Blockaden

Machst Du Sexualbegleitung hauptberuflich?

Nein, ich mache das nicht hauptberuflich. Was auch total wichtig ist, denn sonst wäre der Druck viel zu groß. Man kann gar nicht diese emotionale Nähe aufbringen, wenn man ständig damit beschäftigt ist, ob man damit auch genug verdient.

Wie bist Du dazu gekommen? 

Ich hatte mal einen behinderten Onkel, der sehr hilflos und in seiner Behinderung sexuell gefangen war. Er war einsam und hatte den Wunsch nach Liebe, Berührung und Zuneigung. Das hat mich dazu bewegt, solchen Menschen zu helfen.

Du bist der Organisation ISBB (Institution zur Selbstbestimmung Behinderter) beigetreten, um professionell Sexualbegleitung auszuüben?

Genau. Ich habe 2004 meine Ausbildung zur Sexualbegleitung gemacht und 2006 zur Sexualberaterin bei der ISBB. 

Welche Vorraussetzungen muss man mitbringen, um den Job ausüben zu können?

Man sollte auf jeden Fall eine abgeschlossene Berufsausbildung hben, sich selbst gut kennen, eine bestimmte Reife haben und ganz wichtig: Die positiv-innige Einstellung zu der Arbeit. Das es kein Spaß ist, sondern es sich um einen hilfeleistenden Auftrag handelt.

Hat sich Dein privates Sexualleben verändert?

Bei mir privat hat sich nichts verändert. Ich kann das 100 prozentig trennen. Ich sehe es als Beruf, um den Menschen zu helfen

Die Meinungen zu Sexualbegleitung sind sehr verschieden. Behalte immer im Hinterkopf, Dich nicht zu sehr von anderen beeinflussen zu lassen, sondern Dir Dein eigenes Bild zu verschaffen. 

Mehr Infos zu Sexual-Begleitung findest Du auf http://www.isbbtrebel.de/

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